Folia Theologica 16. (2005)
Tamás Tóth: Clemens VIII. und der Lange Türkenkrieg in Ungarn
192 T. TOTH 2.1. Die Pflicht eines Christen, gegen die Osmanen zu kämpfen Als im Konzil von Clermont 1095 der erste Kreuzzug ausgerufen wurde, steckte dahinter die Idee eines gerechten Krieges (bellum iu- sttan) oder heiligen Krieges (bellum sacrum), um die heiligen Orte von den Ungläubigen zu befreien. Die Kirche wollte gleichzeitig das Ritterideal verkirchlichen. So entstanden schnell auch die Ritterorden. Besonders am Anfang wurden die Kreuzzüge als Pilgerschaft (peregrinatio) empfunden, woran die Teilnahme als persönliches Opfer und Bußübung, gleichzeitig auch als ein besonderer Dienst an Gott empfunden wurde. So war es für viele Christen und Herrscher ein Ziel, Kreuzfahrer zu werden.44 Diese Idee lebte, wenn auch in etwas abgewandelter Form, im 16. Jahrhundert immer noch. Auch der Aufstand der ungarischen Hörigen 1514 begann mit einer Bulle, die sie zum Kreuzzug einberief. Clemens Vlll. schrieb 1594 selber in einem Breve, dass man gegen die Türken wie damals Gottfried von Bouillon45 beim ersten Kreuzzug kämpfen sollte.46 So ermunterte Clemens Vlll. die Christen, wie gegen die Häretiker so auch gegen die Ungläubigen zu kämpfen. Bereits beim Konsistorium am 27. November 1592 ordnete er Gebete in Rom an, damit die ungläubigen Türken und die Häretiker zur Ehre des katholischen Glaubens besiegt werden könnten. Gleichzeitig erteilte er Ablässe für diejenigen, die daran teilnehmen. Nach den Konsistorischen Akten des Kardinals von Santa Severina, also des Giulio Antonio Santoro47 soll er selber im Apostolischen Palast am ersten Adventsonntag, am 29. November 44 JASPERT N„ Kreisbewegung, Krezzüge. In: LThK (Anm. 4) Bd. 6. Sp. 469-473. Cit. 4691'. 45 Gottfried v. Bouillon (1060-1100). Während des ersten Kreuzzuges war er Feldherr (1096-1099). Gottfried eroberte Jerusalem 1099 und verstarb dort. Er wurde oft als Idealbild vorgestellt. SÖDER L., Gottfried von Bouillon. In: LThK (Anm. 4) Bd. 4. Sp. 947. 46 „Numquid fortasse brevis facta est manus Domini aut imbecilla, qui Godofri- dum Bullonium fortem illuni quidem et egregie pium principem, sed unum tamen et mediocri potentia tot victoriis contra barbaras et multitudine fere innumerabiles nationes illustravit?" Breve an Herzog Wilhelm von Bayern. 19. März 1594. Ed. SCHWEIZER J., Römische Beiträge zur Korrespondenz des Herzogs Wilhelm V. von Bavern aus den Jahren 1593-1594. RömQ (Anm. 43) Teil 2 28 (1914) *130-* 151.. * 199-*214. Cit. * 144-* 146. Anm. 7. 47 Giulio Antonio Santoro (1532-1602), Kardinal. Erzbischof von Santa Severina. Er stammte aus Caserta, promovierte in Neapel in utrioque iure, dann