Folia Theologica 12. (2001)

Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte

DIE SELBSTVERWIRKLICHUNG DES MENSCHEN 51 Noch markanter als das Thema der Selbstbeschränkung und des Wollens, meldet sich das Schlagwort „Zweckbegriff" in NR, in dem SSL und in der BdM. 1. Die Grundlage des Naturrechts „Die Person ist frei, heißt... sie wird lediglich durch das Entwer­fen eines Begriffs vom Zweck, ohne weiteres, Ursache eines genau diesem Begriffe entsprechenden Objekts; sie wird bloß und ledig­lich durch ihren Willen, als solchen Ursache: denn einen Begriff vom Zwecke entwerfen, heißt wollen."82 „Das freie Wesen setzt sich selbst, und das Wollen eines Objekts selbst ist der letzte Grund die­ses Wollens."83 2. Das System der Sittenlehre „Dem Wollen wird vorhergedacht ein freitätiges Begreifen des Zwecks, d.h. ein absolutes Hervorbringen des Zwecks durch den Begriff. In diesem Hervorbringen des Zweckbegriffs ist der Zustand des Ich lediglich ideal, und subjektiv. Es wird vorgestellt mit abso­luter Selbsttätigkeit, denn der Zwekbegriff ist lediglich Produkt des Vorstellens."84 „Im Bewußtsein der Freiheit sind objekt ganz und völlig eins. Der Zweckbegriff wird unmittelbar zur Tat, und die Tat unmittelbar zum Erkenntnisbegriffe."85 „In diesem Sinne wird man sich seiner Freiheit allerdings unmit­telbar bewußt durch die Tat, indem man selbsttätig aus dem Zu­stande des Schwankens sich losreißt, und einen Bestimmten Zweck sich setzt, weil man ihn sich setzt, besonders, wenn dieser Zweck gegen alle unsere Neigung läuft, und dennoch um der Pflicht wil­len gewählt wird."86 „Alles wirkliche Wollen ist empirisch; ein rei­ner Wille ist kein wirklicher Wille, sondern eine bloße Idee; ein Ab­solutes aus der intelligiblen Welt, das nur als Erklärungsgrund ei­nes Empirischen gedacht wird."87 82 NR S.59. 83 Ebd. S.139f. 84 SSL S.83. 85 Ebd. S.134. 86 Ebd. S.134. 87 Ebd. S.145.

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