Folia Theologica 12. (2001)
Zoltán Rokay: Die Selbstverwirklichung des Menschen in der Philosophie von J. G. Fichte
46 Z. ROKAY stimmte Weise sich zu beschränken, die in der Aufgabe liegt, ist für jedes Individuum eine andere... Die Aufgabe erscheint nicht auf einmal, sondern in dem Fortgange der Erfahrung, jedesmal, wenn ein Sittengesetz an uns ergeht. Aber in dieser Aufgabe liegt... die Aufgabe zu einem freien bestimmten Handeln."45 Die Beschränktheit ist immer eine Beschränktheit der Freiheit, d.h. ich könnte über diese Gränze hinaus, wenn es diese Beschränktheit nicht gäbe.46 In diesem Sinne unterscheidet Fichte zwischen der physischen Beschränktheit, sie ist „die physische Beschränktheit meiner Macht des weiter Könnens", und der moralischen Beschränktheit, welche „die Beschränktheit meiner Macht des weiter Dürfens" ist.47 Das Bewußtsein von Nicht-Ich, resultiert aus dem unmittelbaren Bewußtsein der eigenen Beschränkung: „Meiner Beschränkung bin ich unmittelbar bewußt, weil sie ja zu mir selbst gehört, und nur durch sie ich überhaupt da bin; das Bewußtsein des Beschränkenden, dessen was ich nicht selbst bin, ist durch das erstere vermittelt, und fließt aus ihm... Der Grund, warum ich etwas außer mir annehme, liegt nicht außer mir, sondern in mir selbst, in der Beschränktheit meiner eigenen Person" - heißt es in der „Bestimmung des Menschen".48 Nach der Sittenlehre ist „unsere Welt... schlechthin nichts anderes, als Nicht-Ich; ist gesetzt, lediglich um die Beschränktheit des Ich zu erklären, und erhält sonach alle ihre Bestimmungen nur durch Gegensatz gegen das Ich."49 Als Parallele zu dieser Stelle lesen wir in der WNM: „auf Vernunftwesen außer mir schließe ich aus meiner Aufgabe mich zu beschränken;"50 - und weiter: „die Aufgabe sich selbst zu beschränken erscheint versinnlicht als eine Aufforderung die von Außen kommt."51 45 Ebd. S.263,8-17. 46 Ebd. S.249,27-29. 47 Ebd. S.250,1-3.7. 48 Die Bestimmung des Menschen (Meiner) 21. Ebd. S.95.: „Eine durchgeführte Spekulation hat mich ja belehrt, oder wird mich belehren, daß diese vermeinten Vernunfwesen außer mir nichts sind, als Produkte meines eignen Vorstellens. Aber die Stimme meines Gewissens ruft mir zu: was diese Wesen auch an und für sich seien, du sollst sie behandeln als für sich bestehende, freie selbständige von dir ganz und gar unabhängige Wesen.” 49 Das System der Sittenlehre (SSL; Meiner) S.67. 50 WNM GA IV,2. S.256,16-18.