Folia Theologica 11. (2000)

Ferenc Beran: Grundentscheidung und Todsünde

GRUNDENTSCHEIDUNG UND TODSÜNDE 99 Liebe Gottes durch Todsünde verloren bzw. zurückgewiesen hat. Aber die Lehre der Kirche betont, dass der häufige Empfang des Busssakra­mentes auch sehr wichtig ist, weil „auch die kleineren Sünden Gott be- leidigen und die Kirche, den Leib Christi, verwunden”. Die Busse be­kräftigt die Grundentscheidung für Gott. Zusammenfassung Die Sünde ist ihrem Wesen nach immer eine „aversio a Deo” (Ab­wendung von Gott),20 21 mit anderen Worten eine Zurückweisung der Liebe Gottes. Aber man darf nicht vergessen, dass die Zurückweisung der Lie­be Gottes auch immer eine Zurückweisung des Gesetzes Gottes ist, weil das Gesetz das Zeichen der Liebe Gottes ist. Deshalb definiert der hei­lige Agustinus die Sünde in dieser Form: „Peccatum est factum vel dic­tum vel concupitum aliquid contra legem Dei aeternam”.22 Nach der Lehre der Kirche ist die Todsünde eine bewusste und freie Handlung, die eine schwerwiegende Matherie zum Gegenstand hat. Der Begriff der Grundentscheidung beschriebt das Wesen der Tod­sünde sehr gut. Die Grundentscheidung ist Option für oder gegen Gott, welche aus dem Kern der Person stammt, sich auf ihre ganze Haltung auswirkt und durch seine Einzelakten manifest wird. Nach der Lehre der Kirche darf man die Grundentscheidung nicht mit der Todsünde identifi­zieren. Es ist möglich, dass jemand an Gott glaubt, und seine göttliche Liebe erkennt, aber - wegen seinem Egoismus - das Gesetz Gottes zu­rückweist: z. B. Ehebruch, und Abtreibung. Es ist auch möglich, dass je­mand wegen vielen leichteren Sünden seine Empfindlichkeit gegen Liebe Gottes schon verloren hat und deshalb nicht merkt, dass er eine Todsün­de begeht. 20 JOHANNES PAULUS II,Über Versöhnung und Busse 32. 21 THOMAS VON AQUIN, Summa Theologiae 2.II. 118, a.5. 22 AUGUSTINUS, Contra Faustum 1. 22, c.27.

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