Folia Theologica 1. (1990)

Béla Fila: Die Geschichtlichkeit als theologisches Problem - in Auseinandersetzung mit M. Heidegger

DIE GESCHICHTLICHKEIT 43 anderes ist, als der allerletzte Grund der Seienden, d. h. das subsistie- rende Sein. Diese Auslegung hielt aber Heidegger für einen Irrweg. Durch die Seinsfrage des Philosphen wird also der Theologe auf den Weg zum Gott gebracht, dann aber, wenn er seinen ersten Schritt auf diesem Weg getan hat, lässt ihn der Philosoph allein und begleitet ihn schweigend und nur mit seinem Sicht. Er wird sein Schweigen nur dann brechen, wenn der Theologe auf dem, ihm von dem Philosophen selber angebotenen Weg Metaphysik zu treiben beginnt. * * Was lässt sich zu dieser sonderbaren Lage sagen. Die Annahme der schlichten Alternative des Entweder-Oder wäre eine voreilige Verein­fachung. Es ist nicht zu bezweifeln, dass es eine fruchtbare, zwar manchem furchtbare Verbindung zwischen Heidegger und der Theolo­gie gibt; eine hoffnungsvolle Beziehung zwischen dem Philosophen und Theologen der letztere empfindet die anspornende, manchmal gar aufregende Nachbarschaft des Philosophen. Er muss aber zugleich auch sein Verstummen und Schweigen wahrnehmen und sein An- Gebot und Verbot gleichsam als eine philosophische Botschaft erhören. Die Frage erhebt sich, ob und wie in dieser Situation vom Weiterent­wickeln der heideggerschen Konzeption die Rede sein kann? Das Werk von Martin Heidegger steht vor uns und vor der Theologie. Der Theo­loge erkennt seine Absicht und Intention gerne an, zugleich aber wird er seiner ureigenen Aufgabe bewusst. In diesem Sinne hat der Theolo­ge die Möglichkeit, als Theologe sich aufs breite Feld des heidegger­schen Denken hineinzustellen und die sich anbietenden Wege zu betreten, aber so, dass er der Gefahren immer bewusst wird, indem er weiss, dass die Wege sich leicht in Irrwege umwandeln können. Zwar hört er wohl die Botschaft des Philosophen, dient aber horchend seinem eigenen Herrn. 20. J. B. LOTZ, M. Heidegger und Th. von Aquin, Augsburg, 1975. S. 50-58.

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