Folia Theologica et Canonica 7. 29/21 (2018)

Sacra theologia

DER PRIESTER IN DER ANZIEHUNG VON CHRISTUS 63- wenn wir mit ihr richtig umgehen - vor den Irrtümern und Vorurteilen schützt.9 Wie ist also dieser Geist? Die katholische Weltanschauung ist - nach Antal Schütz - grundsätzlich durch drei Sachen gekennzeichnet, und diese sind die folgenden: die Übernatürlichkeit, die Autorität und die Ehre der Tradition. Der übernatürliche Charakter bedeutet all das, was uns, dem klugen Geschöpf der sich selbst offenbarende Gott gibt und sagt, und zwar das, wozu wir durch unser Menschentum nicht fähig sind: Wissen, das mehr als Wissenschaft und Philosophie, also ein Geheimnis ist, so wie Dreifaltigkeit, Gottesmensch, Erb­sünde und Erlösung, Kirche und Sakrament. Dieser Charakter gibt uns auch Kraft, die mehr als eine Anstrengung und ein Willen zum Eigentum, also Gnade ist; eine Geschichtenanschauung, nach der diese Welt - gegen jeden Anschein- das Reich Gottes und das Wohnen Gottes unter den Menschen ist. Die katho­lische Weltanschauung ist eine eigenartige Sichtweise, sie ist sozusagen die Augen Gottes, Gott ha ja uns in Christus sein Sehvermögen gegeben, in dem deshalb alle Gesichtspunkte zur rechten Zeit und auf die rechte Art und Weise eine Rolle erhalten. Die Augen von Christus sind die objektivsten und die Eigenschaften des betrachteten Gegenstandes sowie der Person am meisten be­rücksichtigenden Augen. Die katholische Kirche und der katholische Mensch hält keine Gesichtspunkte und keine Sehenswürdigkeiten für fremd. Diese Sichtsweise gibt den Extremitäten nicht nach, weder dem Fideismus noch dem Supranaturalismus, die die Erde von dem Himmel nicht sehen können, bezie­hungsweise sie verhindert auch den Naturalismus, der, obwohl er manchmal sich in das Gewand des Rationalismus oder Materialismus kleidet, den Himmel von der Erde überhaupt nicht sehen will. Der Autoritätscharakter möchte uns bewusst machen, dass unser Glaube Wahrheit ist, der uns eine wahre Freiheit schenkt, wenn wir uns bedingungslos zu ihm verbinden. Christus hat seine Erbe seiner Kirche anvertraut, die als de­ren treue Verwalter Dogmen und Kanonen schafft; die Autorität bewahrt auf solche Weise die ganze Erbe, während sie in der jeweiligen Gegenwart die Ar­ten und Weisen sowie Möglichkeiten ihrer Aktualisierung zeigt. So bewahrt die kirchliche Autorität die Augen von Christus und versucht die jeweilige ge­schichtliche Gegenwart mit diesen Augen zu sehen und sehen zu lassen bzw. die wünschenswerte Zukunft zu ahnen und umzureissen. Der Gegenteil davon ist die subjektivistische Weltanschauung, die alles nur mit ihren eigenen Augen sehen will. Davon kommt jede Art von Eigensinn, Eitelkeit, Willkür, Laune, Parteisucht, Voreingenommenheit, Laster und Unbeständigkeit. Dieses Stre­ben nach der Objektivität und die Fähigkeit, in die Tiefe der Ereignisse sehen zu können, charakterisieren den Katholizismus, der alles gründlich untersucht, 9 Über das Wesen der die Persönlichkeit manipulierenden und verzerrenden Vorurteile siehe aus­führlicher: Allport, G. W., Az előítélet [Der Vorurteil], Budapest 1977, und Aronson, E., A társas lény [Das soziale Wesen], Budapest 2008. 297-348.

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