Folia Theologica et Canonica, Supplementum (2016)

Géza Kuminetz, Aktualitdt der thomistischen Staatsidee

AKTUALITÀT DER THOMISTISCHEN STAATSIDEE 169 rechtmàssig besitzende Regierung von den Tyrannen unterscheiden, die entwe- der rechtswidrig dem Volk auf dem Halse sind, oder das Gemeinwohl ausser acht lassen”.47 Als eine weitere Erklarung erörtert Horváth, dass die Gesamtheit des Volkes nicht als Subjekt der ganzen Staatsmacht betrachtet werden kann, zumindest nach der Auffassung der christlichen Philosophic. Die Staatsmacht ist qualitativ etwas anderes, da sie die Menge zu einem organisierten Volk gestaltet, das beauftragt worden ist (durch das Volk selbst!), Entwerfer, Förde- rer, Hiiter und Beschützer des Gemeinwohls zu sein.48 Diese Aufgabe ist jedoch 47 Vgl. Horváth, S., Szent Tamás állameszméje [Die Staatsidee vom hi. Thomas von Aquinl, 322 und 274-283, auf den letzteren Seiten erörtert Horváth die physischen Analogien und spezifis- chen Gesichtspunkte der Gesellschaftauffassung. “ Wir können auch so verfassen, das der Sitz der Macht die Quelle der Autoritat ist. Die Autoritat bedeutet urspriinglich etwas Positives, und sie, wie jeder menschliche Faktor, degeneriert werden kann. Auf jeden Fall stellt die Autoritat das menschliche Denken und Handeln auf zweckmassige Weise ein. Das Denken nach den Gesetzen des Denkens, und das Handeln nach den moralischen Gesetzen. Die staatliche Autoritat hat die Aufgabe, die Menge ausserlich zum Handeln zu veran- lassen. Die áussere Veranlassung ist nötig, weil die inneren Anlasse trotz jedes Wohlwollens nicht immer geniigend sind. Wir miissen gestehen, sie sind oft nicht ausreichend. Deshalb „muss das Verlangen des Bestrebens nach dem Guten, dem idealen Guten im Bewusstsein der Menschheit wach zu haltén, ihre Tragheit mit grossen Zielsetzungen anzuspornen, sogar Zwang muss verwen- det werden, damit die Autoritat ihrer Aufgabe entsprechen kann... Diesem Ziel dienen die Geset- ze, Vorschriften und Befehle... Wenn wir also die Autoritat grundsatzlich ablehnen, proklamieren wir die Systemlosigkeit oder Mittelmassigkeit des moralischen Lebens, und auf dem gesellschaft- lichen Leben erklaren wir sogar das Versagen. Wir miissen uns also nicht darum bemiihen, die Au­toritat zu vermindern oder aufzuheben, sondern darum, dass wir ihren Einfluss vertiefen und die Hindernisse entfernen. Wir wiederholen: die Autoritat ist keine Zwangsjacke, sondern ein Ge- rechtes und Gutes vermittelnder Faktor”. Vgl. Horváth, S., Emberi és isteni tekintény [Mensch­liche und göttliche Autoritat], in Horváth, S., Hitvédelmi tanulmányok [Apologetische Studien], Budapest 1943. 106-107, ebd. Bemerkung 1 : „Der Verstand wird durch das Argument gefangen- genommen, deshalb ist das Veranlassungsmittel, was ihn belangt, die Autoritat. Und den Willen bringt ein Art von Gewicht in die RichtungdesGegenstandes seinerLiebe(...) JedeSelbstbestim- mung ist die Einschránkung der Unendlichkeit und Unentschiedenheit des Widens. Daher die coercere als Willensabbild des verstandlichen captivatio. Diese Einschránkung ist im Befehlswort (imperium) beendet und verwirklicht. Falls also das als eine innere Veranlassung aus jeglichem Grund fehlt (hauptsachlich, da der Willen wegen des Mangels an intellektuellen oder affektiven Bereitschaften dazu unfáhig ist), tritt also die Autoritat auf dem Gebiet der Moral als eine rein aussere Veranlassung auf, und sie zeigt mit ihrem Befehlswort, was man tun soil, um das Gute zu erreichen und zu verwirklichen. In dieser Rolle tritt die Autoritat auf, als der die Willensentschie- denheit oder - freiheit schrankende Faktor. Deshalb kann sie als potestas coercitiva genannt wer­den, was wieder nicht die Zwangsjacke sondern den die innere Unfáhigkeit aufhebenden, veran- lassenden, helfenden und beendenden Faktor bedeutet. Die realen Bedürfnisse des Menschen, der zum Guten trage, dessen Erkennen blind und zur Verwirklichung von dem ungeeignet ist, begriin- den die Autoritat, als einen einschrankenden, die Freiheit und Unentschlossenheit enger machen- den ausseren Faktor. Als eine innere Wirkungskraft wurzelt die Autoritat in der allgemeinen Ab- hangigkeit des Menschen von Gott. Das weist sie zum ewigen Gesetz und zum Naturrecht, diese geben den ersten grossen und allgemeinen Anlass zum Willen des Guten, und die mittleren Fakto­rén leiten die konkreten Bedürfnisse des Menschen durch positives Rechtsschaffen, damit das mo- ralische Gute verwirklicht werden kann.” Über die Autoritat siehe die weiteren Studien von Hor­váth, S.: A pápaság mint a vándoregyház világossága és erőssége [Das Papsttum als Licht und Kraft der Pilgerkirche], in Horváth, S„ Hitvédelmi tanulmányok [Apologetische Studien], 7-66. Horváth, S„ Formale und objektíve Heiligkeit, in Divus Thomas (1939) 395-397.

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