Folia Theologica et Canonica 4. 26/18 (2015)

SACRA THEOLOGIA - Hans Mendl, Wenn der Tod einbricht (...) Kinder, Gott und das Leid

50 HANS MENDL Wirklichkeit, die wir Gott nennen: „So gesehen gibt es keine Antwort auf die Frage nach dem Leid. Wohl jedoch gibt es nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift einen Weg, der zu einer Antwort führt.“14 Solche Wege sollen im Folgenden aufgezeigt werden. Zuvor allerdings wer­den Antworten und Handlungsstrategien benannt, die in theologischer und pas- toraler Hinsicht als problematisch gelten müssen. 2. Unangemessene Antworten und Handlungsstrategien Bereits die eingangs skizzierte Tendenz, Kinder vor allem Leid bewahren zu wollen, stellt eine unangemessene Handlungsstrategie dar. Theologisch, reli­gionspädagogisch und pastoraltheologisch soll vor drei weiteren problemati­schen Strategien gewarnt werden: die Formulierung eindeutiger theologischer Antworten, besonders bezüglich dessen, was man von Gott zu wissen meint, die vereinfachte Rede vom „lieben“ Gott und die Formulierung nicht situation­sangemessener Trostworte.15 7. Die Formulierung eindeutiger Antworten In früheren Zeiten wusste man auch in der Katechese genau, wie Gott ist, und nötigte Kinder und Jugendliche, das unhinterfragt zu lernen. Ein Beleg ist die breite Palette in der Beschreibung Gottes im sogenannten „Grünen Katechis­mus“16 (wegen seines grünen Einbandes) aus dem Jahre 1955, der bis in die 70-er Jahre hinein in Deutschland seine Wirkung entfalten konnte: In knapp 20 Teilkapiteln wird genau erklärt, wie Gott ist, z.B. „wahrhaft und getreu“, „all­mächtig und weise“, „unendlich vollkommen“ und was er tut, z.B. „lenkt das Böse zum Guten“. Das mutet an wie ein „metaphysisches Rechenspiel“17. Das Problem: Die meisten Zuschreibungen stellen keine adäquate Antwort auf die Theodizee-Frage dar. Besonders die Rede vom allmächtigen Gott wird ange­sichts konkreten Leids Unverständnis auslösen. Und die Erklärung, dass Gott das Leid über uns kommen lässt, „weil er uns durch Leid zum Heil“18 führen will, taugt als Antwort nur bedingt und hört sich in einer existenziellen Leid­situation zynisch an. Das Problem einer solchen hermetischen theologischen Binnensprache und -argumentation ist. dass sie die Situation des leidenden Menschen außer Acht lässt. Manche globalen Antworten sind auch deshalb un­14 Schwienhorst-Schönberger, L., Das Buch ljob: Ein Weg durch das Leid, in Mendl, H. - Schwienhorst-Schönberger, L. - Stinglhammer, H., Wo war Gott, 5-28, hier 28. 15 Vgl. ausführlicher: Mendl, H., Kinder, Gott und das Leid, in Mendl, H. - Schwienhorst- Schönberger, L. - Stinglhammer, H., Wo war Gott, 61-105, hier 64-79. 16 Katechismus der Bistümer Deutschlands, Freiburg u.a. 1955. bes. 11-40. 17 Stinglhammer, H., „Die beste aller Welten?“, 32. ls Katechismus der Bistümer Deutschlands, 22.

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