Folia Theologica et Canonica 1. 23/15 (2012)

SACRA THEOLOGIA - Zoltán Rokay, Leo Scheffczyk und die Tübinger Schule

116 ZOLTÁN ROKAY Deutung der Zuordnung von Glauben und Wissen.“106 (Wobei die letzteren zwei „Paare“ für Scheffczyk wegen seines Einsatzes für das „katholische und“ von besonderer Wichtigkeit sind). Diese Einzelprobleme hat nach Scheffczyk Kuhn bewältigt, den er „den spe­kulativsten Kopf der Tübinger Schule“ nennt.107 Es darf uns nicht entgehen, was Scheffczyk - wenn auch nebenbei - in sei­nem Buch: Von der Heilsmacht des Wortes (1966) über Drey und Kuhn sagt.108 Die Feststellung - und Kritik Scheffczyk’s lautet wie folgt: „In diesem Zusam­menhang musste das Augenmerk besonders auch auf die gottesdienstliche Pre­digt fallen. Ihre Bedeutung musste in dem Masse wachsen als in ihr nicht mehr nur der kunstvolle menschliche Ausdruck der Heilswahrheiten gesehen wurde (wie im Barock) oder der die vernunftgemäße Unterweisung in religiösen Din­gen (wie in der rationalistischen Aufklärung), sondern als sie in ihrer energeti­schen und inkamativen Funktion in Fortsetzung der Epiphanie des Logos ernst genommen wurde.“ Das war z. B. im 19. Jh. selbst bei den sonst so anregenden Vertretern der katholischen Tübinger Schule, wie etwa bei Joh. Seb. v. Drey (t 1853) und bei Johann Ev. v. Kuhn (f 1887), noch nicht der Fall, insofern auch sie die Predigt noch vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Belehrung wer­teten.109 Bezüglich der (auch schon in der Antike umstrittenen) Frage der Münd­lichkeit-Schriftlichkeit sagt Scheffczyk folgendes: „Die Vertreter der sogenann­ten Personalinspiration waren nicht gut beraten, wenn sie von den Aposteln meinten, ,es könnte keinen Unterschied begründen, ob sie die Lehre Christi mündlich vortrugen oder schriftlich darstellten; denn mündlicher Vortrag und Schreiben sind im allgemeinen nur zwei verschiedene Mitteilungsweisen einer und derselben Sache, die erste für Anwesende oder Nahe, die andere für Ab­wesende oder Entfernte1 (J. S. Drey, Apologetik, III. Mainz, 1847. 54.). Diese Behauptung scheitert an der mangelnden Unterscheidung zwischen Rede und Schrift. In Wirklichkeit sind beide Mitteilungsweisen so sehr unterschieden, dass ein guter Redner ein schlechter Schreiber (und umgekehrt) sein kann.“110 Scheffczyk weist auf Kuhn auch im Zusammenhang des Verhältnisses von Wort und Sakrament hin: „So konnte sich das Wort auch nicht als gleichwertige Kraft neben und mit dem Sakrament behaupten. Noch im 19. Jh., als mit dem Wiederaufstieg der Theologie in der Katholischen Tübinger Schule die Ver­bindung mit der lebendigen Tradition wiederhergestellt wurde und man dabei von neuem auf die Bedeutung der Schrift und des Wortes stieß, vermochte man 106 Ebd. XXIII. 107 Ebd. 108 Scheffczyk, L., Von der Heilsmacht des Wortes. Grundzüge einer Theologie des Wortes, Mün­chen 1966. 109 Ebd. 13. 110 Ebd. 211.

Next

/
Oldalképek
Tartalom