AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1981. Budapest (1983)

III. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: Ambrus Zoltán az író és a könyvgyűjtő - Zoltán Ambrus, Schriftsteller und Büchersammler

ZOLTÁN AMBRUS, SCHRIFTSTELLER UND BÜCHERSAMMLER (1861-1932) ZOLTÁN FALLENBÜCHL Zoltán Ambrus ist eine sehr bedeutende Gestalt der ungarischen Literatur und spielte im literarischen Leben der Jahrhundertwende und später eine wichtige Rolle. Die Gelegenheit der 120. Jahreswende seiner Geburt in 1981 und die 50. Jahreswende seines Todes in 1982 gab dem Verfasser einen Anlass zu dieser kleinen Studie. Zoltán Ambrus war, sozusagen, von der Wiege an ein Bücherfreund. Sein Vater, Joseph Ambrus von Csikszentkirály in Siebenbürgen gebürtig (1825 — 1880) entstamm­teselbst einer gebildeten Széklerischen Familie. Sein Grossvater war Tierarzt : einige seiner Bücher, so z. B. das Werk von A. J. Wolstein blieben über 130 Jahre, bis 1944 in der Familiensammlung erhalten. Joseph Ambrus wollte Priester werden, aber der ungarische Unabhängigkeitskampf 1848/49 brachte ihn aus dem Seminarium aufs Schlachtfeld. Nach dem Waffenstillstand von Világos wurde er, der viele Sprachen kundige, zuerst, als verborgener Emigrant innerhalb seines Vaterlandes, Privatlehrer bei der Familie Czárán in Seprős, dann Beamter der K. K. Privil. Nordost-Eisen­bahngesellschaft in Debrecen. Dort lernte er seine Ehefrau, Wilhelmine Spett (Speth) kennen. Die Familie Speth — eine sehr alte Sippe des südwestlichen deutschen Gebietes — kam als Ärzte- und Chyrurgenfamilie nach Ungarn zur Zeit Maria Theresias. Wilhelmine von Speth war mütterlicherseits die Nichte des zu seiner Zeit sehr be­deutenden ungarischen Journalisten Mihály Kovacsóczy (1801 — 1842). Auch die Spett und die Kovacsóczy — eine Wirtschaftsbeamtenfamilie aus dem magyarischen Kleinadel — waren eifrige Leser. Allen Familienmitgliedern war die Kenntnis der lateinischen, deutschen und französischen Sprachen gemein. Unter solchen Umständen ist eine Interesse für Bücher des Schriftstellers schon von Kindheit gegeben. Seine ersten Lektüren waren die Bibel, das Leben der Heiligen, dann später Cervantes und Shakespeare. Schon mit Kinderjahren war er, durch einen Verwandten, der die Ingenieurlaufbahn mit dem Schauspieler leben verwechselte, mit dem Theaterwesen in Kontakt gekommen. In einem seiner späteren Werke : A tóparti gyilkosság (Der Mord auf dem Seeufer 1914) kommen diese Debrecener Kindeserin­nerungen zum Gelten. Seit 1871 wohnte die Familie in Pest; Ambrus studierte zuerst im Piaristen- dann im Königl. Katholischen Obergymnasium zu Buda. Als häufiger Theaterbesucher entwickelte er in sich schon früh den Talent des Kritikers. Sein erster in Druck erschienener Artikel ist eine scharfe Kritik über das Theaterstück von Björnson: Leonarda (1879). Damit war er auf einem Schlag berühmt geworden. Schon als Schüler sammelte er eifrig Bücher ; er hatte besonders für Dramaturgie Interesse. Der frühe Tod seines Vaters bei der Sommerfrische in Gödöllő im Juli 1880 wies ihn auf den Brotverdienst. Er studierte Jura an der Universität Pest, arbeitete daneben in einem berühmten Advokatenbüro der Stadt als Praktikant und Kanzellist, lies aber seine Interesse für Literatur nicht fallen. Er schrieb Theater- und Bücherrezensionen für die Zeitschriften und Zeitungen, verdiente damit gut und half nicht nur der Familie, sondern kaufte auch sich weitere Bücher. Nach der Absolvierung seiner juridischen Studien kam er als Kanzellist zu der Ungarischen Bodenkreditanstalt (Földhitelintézet) und blieb in dessen Diensten als Beamter über ein Jahrzehnt lang. 1885 gelang ihm mit der Hilfe seines Onkels, des Kanonikus Gyula (Julius) Spett ein längerer Aufenthalt in Paris und Frankreich. Der Onkel war selbst literarisch tätig, als Übersetzer der Werke von Emile Bougeaud, und Herausgeber von Morallite­ratur. Ambrus studierte an der Sorbonne, hörte dort unter Anderen auch Renan und wurde mit dem Taine'schen Positivismus wohl bekannt, welches ihn gewissermassen beeinflusste. Inzwischen schrieb er viele Artikeln für die Tageszeitung Nemzet (Nation) aus Paris und wurde schon damals ein Vermittler französischer Kulturlebens in Ungarn. Durch seine Artikeln berühmt geworden, wurde er nach der Rückkehr nach einem Jahr einer der Anführer der jungen Schriftsteller. Die Forderung dieser war eine Modernisierung der ungarischen Sprache, Emanzipation der Prosa gegenüber das einseitige Überwiegen der Lyrik in der Literatur, und Beschäftigung mit den aktuellen Problemen in den Werken. Ämbrus war auch dazu geeignet : durch seine Kritik wurde er bald zu einer literarischen Autorität. 35 OSZK Évkönyv 1981 545

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