AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1979. Budapest (1981)
III. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Fallenbüchl Zoltán: Alessandro Guadagni levelezéskönyve - Das Notizbuch des Alexander v. Guadagni
Der Umfang von 92 Blättern ist zwar nicht sehr gross, dennoch hat es eine beträchtliche historische Bedeutung. Die Handschrift enthält Notizen und besonders Abschriften von Briefen und Akten von oder an Alexander von Guadagni. Vier Sprachen sind im Text vertreten : ausser der in Ungarn üblichen ungarischen, lateinischen und deutschen Sprache ist auch die italienische vertreten. Das ist die Folge davon, dass der Possessor und Iniziator der Handschrift, Guadagni, ein in Ungarn dienender Italiener war. Schon das Zeitalter der Entstehung ist eine sehr wichtige Periode der ungarischen Landesgeschichte. Es ist nämlich die Periode der Befreiungskriege, als die Türken, nach einer langen und für Ungarn verheerenden Herrschaft, von den christlichen Heeren endlich aus dem Lande getrieben wurden. In diesem Kampfe nahmen Deutsche, Polen, Italiener, Spanier, Engländer, Franzosen und selbstverständlich Ungarn teil. Guadagni selbst war ein höherer Offizier, der schon ungefähr in der Zeit des Feldzuges von Montecuccoli im Jahre 1664 nach Ungarn kam und hier schliesslich zum Kommandanten der Festung Szendrő befördert wurde. Die Notizen und Schriftstückkopien beziehen sich auf seine Arbeitsprojekte, Militärangelegenheiten und Familienprozesse. Das erste Schriftstück ist vom 8. Dezember 1695 datiert. Es ist ein Projekt, an den Kaiser, Leopold I. gerichtet, in dem Guadagni den Bau eines Profunthauses bei der Mündung des Flusses Sajo in die Theiss vorschlägt. Zugleich legt er einen weiteren Plan zur Schiffbarniachung des Hernádflusses bis nach Kaschau vor. Dieser Kanal würde, argumentiert er, die Verproviantierung der kaiserlichen Armee viel billiger machen und ferner auch den Weinausfuhr nach Polen und den Salztransport im Lande selbst stark fördern. Er gibt auch die eventuellen Kosten der Arbeit an; diese würden 6000 Gulden in barem Geld nicht übersteigen, ausserdem rechnet er mit der Robotarbeit der Untertanen, diese sollte abei durch die Komitate organisiert werden. Der Plan ist eines der ersten Stromregulierungsarbeiten, die nach der Türkenzeit in Ungarn entworfen wurde. Guadagni hatte aber dazu nicht nur die nötigen Mitteln, sondern auch die persönlichen Beziehungen nicht gehabt, und fürchtete, dass sein Plan unausgeführt bleiben wird, und bat um eine kaiserliche Kommission zur Untersuchung seines Planes an Ort und Stelle. In den Kriegsjahren konnte aber wegen dem ständigem Geldmangel die Regulierung nicht stattfinden. Aus einer anderen Abschrift vom 9. Dezember 1696 kommt wieder ein anderer Projekt des Obersten und Festungskommandanten Guadagni hervor. Er hatte in Metzenseiffen ein neues Bergwerk angefangen, und in dieses Unternehmen schon 8000 Gulden investiert, jedoch die nötige Hilfe von der zuständigen Finanzbehörde, der Zipser Kammer, nicht erhalten. Er bittet deshalb diese Hilfe von der Wiener Kaiserlichen Hofkammer. Um ein besseres Verständnis in den Leitern der Hofkammer zu erwecken, erklärt er, dass er mehrere, für die Silbergewinnung rentable Orte kennt, nur müssten diese einer Probe unterworfen werden. Er bittet um Erlaubnis, diese, Erzgewinn versprechende Gebiete zu besuchen und aus der Besatzung seiner Festung 10 — 12 Musketiere als Begleitung mitzunehmen, denn die Zustände sind hier ganz unsicher. Dieses Bergwerksunternehmen soll er für den Kaiser mit Hilfe des Ärars fertig bringen. In anderen Schriftstücken sind seine Klagen über rechtswiedrige Handlung gegenüber ihn und seiner Gattin, einer geborenen Gräfin Forgách, enthalten. Seine Schwäger wollten die Gattin enterben, und haben einen Prozess gegen das Ehepaar eingeleitet. Hier gibt er seine Biographie an: er dient seit 32 Jahren (also seit 1664), zuerst in Ungarn gegen die Türken, dann in Pommern gegen die Schweden, dann im Reich gegen die Franzosen, lind endlich gegen die Aufständischen in Ungarn. Er hatte im kaiserlichen Felddienst Wunden erhalten und ein Auge verloren. Manche Schriftstück-Kopien geben Beweis dafür, das Guadagni mit den anderen kaiserlichen Offizieren wegen Subordinationsfragen auch gewisse Streitigkeiten hatte. Die Handschrift liefert also manche Angaben zur Geschichte der unvollkommenen militärischen Subordination bei der Befreiungsarmee gegen die Türken am Ende des 17. Jahrhunderts. Das wichtigste ist aber, dass Guadagni als Festungskommandant und aktiver Offizier zugleich auch Bergbauunternehmer und „Waldbürger" war, und als solcher, die Beschaffenheiten Ungarns wohl kennend, für den Kaiser einen Projekt für die Wiedereinrichtung Ungarns verfertigte. 28 OSZK Évkönyve 433