AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1978. Budapest (1980)
IV. Könyvtörténeti és művelődéstörténeti tanulmányok - Szelestei N. László: 18. századi tudós-világ I. Perliczi János Dániel (1705—1778) - Die Welt der ungarischen Wissenschaftler im 18. Jahrhundert. I. János Dániel Perliczi (1705-1778)
Seine wichtigsten Erfindungen, für die ihn die Wissenschaftliche Akademie in Berlin 1731 zu ihrem Mitglied ernannte, lagen im besonderen Interesse der Bergstädte. Wie sein Schwiegervater, Ottó Károly Moller, hat er auch auf eigene Kosten eine für die königliche Kammer nützliche Tätigkeit entwickelt. Zwischen den Jahren 1731 — 54 war er Oberarzt (Physicus) des Komitates Nógrád, wobei er besonders zur Zeit von Epidemien eine dem ganzen Land nützende Tätigkeit entfaltete. Dafür wurde er auch in den ungarischen Adelsstand erhoben. Er gab Werke in ungarischer Sprache besonders für die ärmere Bevölkerung heraus, insbesondere als sog. ,,Haus-bzw. Reiseapothekchen." Er drang auf die Organisation gesundheitlicher Dienste (Apotheken, Chirugen, Hebammen . . .). Als jedoch der neue Obergespan Antal Grassalkóvics 1750 sein Amt antrat, liess dieser, weil er ein Gesundheitswesen für überflüssig hielt, die mit vieler Mühe aufgebauten gesundheitlichen Dienste auflösen und das Ärzte- und Apothekenhaus in Nógrád einfach verkaufen. Perliczi zog sich daraufhin auf sein Gut in der Nähe von Losonc — Apátfalva — 1754 zurück. Francesco Parolino Roncalli beabsichtigte 1746 den Teil über Ungarn zu seinem Werk „Europae medicina" von Perliczi schreiben zu lassen. Perliczi beschäftigten lebenslang die Fragen des Lehrwesens. Mit Mátyás Bél hat er schon 1736 über die Gründung einer ungarischen, wissenschaftlichen Gesellschaft korrespondiert. Sein 1742 erarbeiteter Vorschlag, den er 1751 der Königin vorlegte, war der erste Vorschlag zur Gründung einer ärztlichen Hochschule in Ungarn. Auch in der Erziehung seines Sohnes hat er damals zeitgemässe Methoden angewendet. Perliczi schuf die erste ungarische gerichtsmedizinische Lehre. Er arbeitete ständig, obwohl er dabei immer verbitterter wurde: Seine Arbeit blieb erfolglos. Die damaligen ungarischen Verhältnisse Hessen keine wissenschaftliche Tätigkeit zu. Seine Pläne zum Lehrwesen und zur wissenschaftlichen Gesellschaft blieben unverwirklicht. Nicht einmal ein Mäcen fand sich für die Veröffentlichung seiner Werke, obwohl diese von seinen Zeitgenossen hochgeschätzt wurden. Seine Bibliothek wurde nach seinem Tod überallhin zerstreut. Auf Grund der neusten Erkenntnisse ist sein Platz und seine Rolle viel bedeutender unter den ungarischen Wissenschaftlern als dies bisher angenommen wurde. Seine jugendlichen Dissertationen und Erfindungen rücken ihn unter die hervorragensten ungarischen Physiker und Mathematiker. Die in ungarischer Sprache verfassten Bücher Perliczis sind wichtige Marksteine der ärztlichen Literatur in ungarischer Sprache. Ausserdem vermittelten sie sein Wissen in breiteren ungarischen Bevölkerungskreisen. Seine ärztliche Tätigkeit auch in Beziehung auf die Grubenstädte bedarf weiterer Untersuchung. Perliczis Vorschläge förderten die Gründung der ärztlichen Universität in Nagyszombat (heute Trnava CSSR = Tirnau) und das schliessliche Zusammenkommen einer wissenschaftlichen Gesellschaft in Ungarn. Durch sein Verhalten war Perliczi beispielgebend. Ähnlich Miklósh Tótfalusi Kis und anderen, kehrte er aus dem Ausland zum Zeitpunkt seiner grössten Erfolge in die Heimat zurück, um ihr dienen zu können. Trotz seiner Misserfolge hier, arbeitete er über ein halbes Jahrhundert, zum Teil verbittert aber ungebrochen, zum Nutzen des „bonum publicums". 437