AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1974-1975. Budapest (1978)
II. Az OSZK gyűjteményeiből és történetéből - Fallenbüchl Zoltán: Sigray László Ignác emlékirata - Die Memoiren des Barons László Ignác von Sigray
Als historisches Quellenwerk sind seine Memoiren in den Details von Interesse — die Hauptangelegenheiten sind aus der Geschichte wohl bekannt. Eine Vergleichung mit den historischen Werken von ARKETH bringt hervor, dass er ein zuverlässiger Geschichtsschreiber ist, und deshalb Vertrauen auch in den kleinen, wenig bekannten Einzelheiten verdient. Das wichtigste seines Werkes ist aber die Person von SIGRAY selbst. Seine Laufbahn ist sozusagen eine typische im Ungarn des 18. Jahrhunderts. Er ist ein Zeuge des Lebensformwechsels, den der ungarische Adel in den 20-er Jahren durchgemacht hatte, von den patriarchalen Verhältnissen zu dem Hofleben zur Zeit MARIA THERESiEns. Die Verschmelzung des ungarischen Nationalen Hochadels mit den anderen Nationalitäten am Hofe ging damals stark voran. SIGRAY selbst blieb beiseits, und hilt immer auf den nationalen Charakter seiner Persönlichkeit; vielleicht trug das dazu bei, dass er bei dem Hof keinen Erfolg zur Erwerbung einer höheren Stellung einbuchen konnte. Als Magnat konnte er keine kleinere Stellung annehmen — das hielt man standesungemäss — eine höhere blieb im verweigert. Auch war er — zum Teil auch wegen der vielen Prozesse — nicht reich genug um sorgenlos leben zu können. Seine Tröstung war sein starker Nationalstolz, der in seinem Werke immer wieder zur Geltung kommt. Dieser ständische Nationalstolz kann — eben in der Kentniss der Memoiren von SIGRAY — besser verstanden werden, wenn man die psychologische Lage nach der RÁKÓczi-Zeit betrachtet. Ungarn hatte im Laufe einer Generation zwei schwere Kriegsepochen — die der Befreiungskriege gegen die Türken und die der Verfassungsverteidigung bzw. der Unabhängigkeit in den Jahren 1703—1711 — durchgemacht und war in ihrer staatlichen Eigenart aufrechtgeblieben. Der Adel hatte das Haus Habsburg zu einem Kompromiss bewegt, wo die ständischen Rechte — im Sinne einer, noch auf mittelalterlichen Wurzeln fussenden Volkssouverainität — bewahrt wurden. Bürgerschaft und Bauerntum sind keine reale gesellschaftliche Kraft hier, nur der Adel selbst, der es bemerkt, dass seine Rechte bewahrt wurden, wogegen im Westen der Adel zugunsten der absoluten Fürstenmacht in den Hintergrund tritt. Damit ist die geistige Haltung des Schiftstellers zu erklären. Das Werk ist hauptsächlich als ein Dokument eines typischen Verträters des in den Magnatenstand erhobenen Mitteladels von Ungarn in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu betrachten. 13* 195