AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1971-1972. Budapest (1973)
III. Az OSZK gyűjteményeiből és történetéből - Berlász Jenő: Jankovich Miklós könyvtári gyűjteményeinek kialakulása és sorsa - Werdegang und Schicksal der Bibliothek von Miklós Jankovich
Provenienz ausfindig und erwarb sie für seine Bibliothek. Die Bedeutung dieser Bibliothek war auch deshalb so groß, weil JANKOVICH nicht nur Bücher und Kodizes im engen Sinne des Wortes sammelte, sondern auch eine jede andere Drucksache (Kleindrucke, Flugblätter) und ein jedes handschriftliches Dokument (Briefe, Akten, Urkunden), sogar graphische Darstellungen (Karten, Schnitte, Radierungen etc.). Den Begriff „Hungaricum" interpretierte er mustergültig; beschränkte sich nicht nur auf Dokumente, die ungarisch geschrieben wurden, oder in Ungarn entstanden sind, sondern berücksichtigte auch die im Ausland von ungarischen Autoren erschienenen und in Ungarn von ausländischen Autoren gedruckten Werke oder auch Bücher, die sich auf Ungarn bezogen. Bis 1830 vermehrten sich die ungarischen (ungarsprachigen) Drucke — einbegriffen die Kleindrucke — auf ca. 12 000 Einheiten; die Zahl der fremdsprachigen Hungarica war ca. 50 000. Auch die verschiedenen handschriftlichen und graphischen Bestandeseinheiten machten mehrer tausend Stücke aus. JANKOVICH war eine echte Sammlernatur und ein eifriger Bibliophile. Seinen Sammeleifer konnte daher das Programm einer Hungarica-Sammlung — sollte sie auch so große Ausmaße annehmen — nicht ganz befriedigen. Seine Bildungsreisen nach Wien, die dortigen Bibliotheken und die mit internationalen Beständen gefüllten Magazine der großen Buchhandlungen erweckten in ihm das Interesse für die Kulturdenkmäler der deutschen und slawischen Nachbarvölker. Allmählich erstreckten sich seine Bücherkäufe auch auf das Ausland. Er kam mit berühmten österreichischen und deutschen Buchhandel-Firmen in Kontakt, überprüfte laufend die Verlags- und Antikvar kataloge und versuchte gelegentlich an Buchauktionen teilzunehmen. Er erwarb sich viele wertvolle Materialien an der Auktion der BLUMAtTER-Bibliothek zu Wien, der EßNER-EscHENBACH'schen Sammlung in Nürnberg, der Helmstedter CARPCOV-, der Regensburger REISACH- und der Leipziger SpoHN-Bibliothek. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jhs. besaß JANKOVICH bereits eine besondere ,,Bibliotheca Germanica" bzw. „Slavica", und auch seine internationale, sich vor allem auf das antike und mittelalterliche Schrifttum, sowie auf die Geschichtswissenschaft und Archeologie erstreckenden Sammlung seltener und wertvoller Bücher nahm immer größere Ausmaße an. Auch auf diesen Gebieten trieb er eine komplexe Sammeltätigkeit, kaufte ein jedes handschriftliches oder gedrucktes Produkt des geistigen Lebens. In ihrem am vollständigsten entwickelten Zustand gliederte sich die Sammlung auf 8 Klassen : 1. Die besten und seltenen Ausgaben der griechischen und römischen Autoren, 2. illustrierte archeologische und museologische Werke, 3. alte und neuere Werke auf dem Gebiet der „História Literaria" und der Bibliographie, 4. Veröffentlichungen zur Kirchengeschichte, 5. Bücher der Universalgeschichte und der Geographie, 5. philosophische und juristische Werke, 7. neuere Belletristik, und schließlich, aber nicht in letzter Linie 8. Inkunabeln und andere druckgeschichtliche Raritäten. Diese Bestände iimfaßten nach einem Nachweis aus dem Jahre 1817 etwa 8000—10 000 Bände, um 1830 waren es schon 15 000—16 000. In dieser Zahl sind die Inkunabeln mit 300, die mittelalterlichen Handschriften (9—15. Jh.) mit 200 Stücken vertreten. Die letzeren erweckten auch das Interesse zeitgenössischer wissenschaftlicher Kreise. 1839 veröffentlichte Gustav HÄNEL eine fachgemäße, bibliographische Beschreibung der Kodizes in der Leipziger Zeitschrift Neue Jahrbücher für Philologie und Paedagogik. Außer diesen Beständen stellte JANKOVICH eine „Bibliotheca Germanica" auf: 50 mittelalterliche Hss., 800 Bände Rara, 80 Kleindrucke atis der Reformationszeit, unter den Briefen die Schreiben LUTHERS und MELANCHTONS, sowie das Testament des letzteren u. a. m. Um 1830 waren es etwa 1200 Einheiten. Etwa so umfangreich war auch die „Bibliotheca Slavica", in der tschechische und südslawische Kodizes, alte und seltene Drucke (unter ihnen wertvolle Bibelübersetzungen) die besonderen Schätze vertraten. Als „Curiosa" wurden noch diesen Beständen eine kleinere, etwa 80 Bände zählende orientalische Handschriftensammlung angehängt. Der Sammeleifer JANKOVICH'S war keine unfruchtbare Leidenschaft. Er bemühte sich, seine Schätze auch wissenschaftlich auszuwerten. In Tudományos Gyűjtemény (Wissenschaftliche Sammlung) , in der polyhistorischen Zeitschrift jener Zeit, veröffentlichte er eine ganze Reihe von kleineren und größeren Aufsätzen und vermehrte mit vielen neuen Kenntnissen die ungarische Kulturgeschichte. Etwa vier Jahrzehnte lang dauerte ununterbrochen die Sammeltätigkeit JANKOVICH'S. Um 1830 geriet jedoch der wohlhabende „literary gentleman" in eine schwere materielle Krise. Den Hauptgrund seiner Verschuldung müssen wir gewiß in den immensen Ausgaben sehen, uzw. nicht so sehr in den Geldern, die er für Bücher und Handschriften, sondern vielmehr für die weit kostspieligeren Kunstsammlungen (Bildergalerie, kunstgewerbliche „Cimeliotheca") ausgab. Schließlich konnte er sich aus dem bedrückenden Zustand der Unzahlungsfähigkeit 172