AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1965-1966. Budapest (1967)

II. Az Országos Széchényi Könyvtár gyűjteményeinek anyagából - V. Windisch Éva: Versgyűjtemény Kovachich Márton György felesége emlékére - Eine Gedichtsammlung zum Gedächtnis der Frau Joanna Kovachich geb. Hajóssy

coaevorum, potissimum hungarorum polyglottis poematibus celebrata" betitelt, wird in der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek Széchényi aufbewahrt. Sie entstand zwischen den Jahren 1806—1810, zum Andenken der Gattin des György Márton Kovachich, des her­vorragenden Organisators der Wissenschaft Ungarns und Veröffentlichers rechtshistorischer Quellen, die 1800, jung verstarb. Kovachich kehrte nach einer misslungenen zweiten Ehe zum Andenken seiner ersten Gemahlin zurück. Das Porträt seiner Gemahlin malte der Däne Stunder; Kovachich liess vom Bild zwei Stiche verfertigen, undzwar mit dem ungarischen Kupferstecher Sámuel Czetter und mit dem Wiener Friedrich John. Er selbst schrieb eine kurze Biographie seiner Frau, versendete diese und forderte gleichzeitig teils unmittelbar, teils durch seine Freunde, Bekannte die Dichter und Reimer des Landes auf, Gedichte zum Anden­ken seiner Frau zu schreiben. Das erste Gedicht schrieb der deutsche „Naturdichter", Gott­lieb Hiller, der während seines Aufenthaltes in Buda mit Kovachich bekannt wurde. Binnen zwei Jahren häuften sich aus der Feder von 48 Dichtern 72 Gedichte an, vor allem in ungari­scher Sprache, aber auch in den — in Ungarn ebenso gebräuchlichen — lateinischen und deut­schen Sprachen, ausserdem — dem Wunsche Kovachich gemäss, der eine mehrsprachige An­thologie plante, — auch in slowakischer, französischer, englischer und rumänischer Sprache. Die Gedichtsammlung gibt einen interessanten Querschnitt der ungarischen Literatur dieser Epoche. Nicht nur sämtliche Landesteile, sondern auch die verschiedenen Schichte der Intellektuellen Ungarns sind vertreten: geistliche und weltliche Personen, Studenten, Mittelschullehrer und Universitätsprofessoren, Rechtsanwälte, begüterte Edelleute, die Literaturfreunde waren, Beamte, Journalisten. Es befindet sich unter ihnen ein hervorragender Ingenieur, und auch einige dichtende Damen. Es befand sich allerdings nur ein berühmter Dichter unter ihnen : Dávid Baróti Szabó, mehrere sind als Dichter zweiten Ranges bekannt ; einige haben auf anderen Gebieten der Kultur sich verdient gemacht, einige Personen sind wieder völlig unbekannt. Neben literarisch anspruchsvollen Gedichten befindet sich eine Gruppe von Versen kunstloser Gelegenheitsdichtung, typische Produkte einer Schriftstellerei, die unterhalb der wahren Literatur gedeiht. Der Aufsatz sucht darauf eine Antwort zu finden, welche Motiven diese Intellektuellen veranlassten, Trauergedichte über eine ihnen vollkommen unbekannte, vor Jahren ver­storbene Dame zu verfassen. Die Antwort wird von mehreren Umständen abgeleitet : erstens war er dem guten Rufe Kovachich und der Achtung, die man ihm in ganz Ungarn erwiesen hat, zu verdanken. Zweitens, bildete sich Ende des XVIII. Jahrhunderts ein Damenlesepubli­kum aus, und die Schriftsteller waren bestrebt die Frauen interessierende, von Frauen handeln­de Lektüren zu schreiben. Endüch verbreitete sich auch in ganz Ungarn die sentimentale Ge­schmacks- und Stilrichtung, die das Interesse für solche Themen erweckte, und die Beschäfti­gung mit ihnen zeitgemäss machte. Der Aufsatz zeigt noch einige mit unserer Sammlung verwandte Erscheinungen der ungarischen Literatur vor: Sammlungen von Gedenkdichtungen und mehrsprachige Antho­logien. 14 Évkönyv 209

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