AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1958. Budapest (1959)

III. Az OSZK gyűjteményeinek anyagából - Csapodiné Gárdonyi Klára: Wohl Janka emlékalbuma

Das Stammbuch der Frau Janka Wohl KLÁRA CSAPODI Die Schwestern Janka und Stefánia Wohl stellten ihr ganzes Leben bewußt in den Dienst des geistigen Fortschrittes; diesem Umstand ist es zu verdanken, daß sie, angefangen von den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts bis zur Jahr­hundertwende, im gesellschaftlichen und literarischen Leben der ungarischen Haupstadt eine bedeutende Rolle spielten. Ihr Wesen wurde durch eine sorgfältige Erziehung und das geistige Milieu bestimmt, aus dem sie stammten. Ihr Vater war Arzt, die Mutter eine sehr gebildete, belesene Dame, die mütterliche Freundin der Schwestern war Therese Brunswick. Es läßt sich nicht bezweifeln, dass die enge Freundschaft mit der Letzteren in den Schwestern das Interesse für soziale Pro­bleme, vor allem für die Frauenfrage erweckte. Die Schwestern Wohl übernahmen und entwickelten die Ideen über die Frauenerziehung Therese Brunswicks fort. Sie kannten und verfolgten mit stetem Interesse die ausländische Literatur über die Frauenfrage. In den Zeitschriften für Frauen, welche die Schwestern selb­ständig redigierten, haben sie einerseits die ungarischen Frauen mit den betref­fenden Problemen bekannt gemacht, andererseits bot sich ihnen durch die Redak­tionskorrespondenz Gelegenheit, die soziale Lage der ungarischen Frauen kennen zu lernen. Neben der Frauenfrage interessierten sie sich besonders für literarische, künstlerische und wissenschaftliche Fragen und beide übten sowohl als Schriftstel­lerinnen, wie auch als Übersetzerinnen eine rege literarische Tätigkeit aus. Im gesellschaftlichen Leben sind die Schwestern Wohl deshalb von Bedeu­tung, weil es ihnen gelang, trotz ihrer bürgerlichen Abstammung einen literari­schen Salon zu unterhalten, welchen die hervorragendsten Männer des In- und Auslandes gerne und oft besuchten. Die Schwestern verstanden es, in ihrem Salon, — dank ihrer vielseitigen Bildung und eigenen Ansichten — eine Atmosphäre zu schaffen, welche die prominenten Persönlichkeiten der geistigen und künstleri­schen Welt anzog und ihr Interesse ständig fesselte. Einige Dokumente dieser gehobenen geistigen Atmosphäre sind im Stammbuch der älteren Schwester, Janka erhalten geblieben. Dieses Buch wurde durch die Handschriftenabteilung der Nationalbibliothek Széchényi 1957 käuflich erworben. Die darin befindlichen Eintragungen geben ein treues Spiegelbild jener Rolle, welche Janka Wohl im gesellschaftlichen und geistigen leben ihres Zeitalters spielte, obwohl — über­raschenderweise, — Namen zahlreicher großer Schriftsteller und Künstler, mit denen sie unbedingt in Verbindung stand, fehlen. Unter den eingetragenen Namen sind die bekanntesten: Therese Brunswick, Ferenc Liszt, János Arany, József Eötvös. Therese Brunswick schrieb, einige Jahre vor ihrem Tode, ein Gedicht wehmütiger Stimmung; Ferenc Liszt hat sich, ge­wohnheitsgemäß mit der Eintragung eines Teilstücks aus einer seiner Kompositionen verewigt; János Arany gedachte mit einem kurzen lyrischen Gedicht seiner Freund­schaft zu Janka Wohl; József Eötvös brachte seine fortschrittlichen Ideen in der Frauenfrage zum Ausdrucke. 17 Évkönyv

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