AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1957. Budapest (1958)

Pozsonyi Erzsébet: Forradalmi röplapok és gúnyiratok 1848-ban

sehen Sprachgebiet stammen; ihr Leserpublikum geht aus den Kreisen der Pester Hand­werker und Kaufleute hervor, denen damals das Deutsche noch geläufiger war als das Un­garische. In den ungarisch veröffentlichten Flugblättern macht sich der bissige Hohn, der dem ungarischen Volkscharakter weniger entspricht, seltener geltend, als in den deutsch­sprachigen. Ihre Verfasser sind Petőfi und sein Kreis: junge Juristen, Rechtsanwälte, Leh­rer und Mitglieder der oppositionellen Klubs. Von diesen Männern wurde der Kampf gegen die Reaktion und die Idee der Revolution ebenso kühn und heftig verkündet, als von ihren Gesinnungsgenossen jenseits der Grenze. Dieser Kampf mündete nicht selten in die Bestre­bungen der grossen Gemeinschaft der Völker ein, wie ja auch die äussere Erscheinungs­form unserer revolutionären Flugblätter und Pamphlete (Trauernachrichten satirischen Inhalts, Reisepässe, Formeln des kirchlichen Glaubens) einen gewissen internationalen Charakter aufweist, und ihre Verbreitung und Wirkung über die Grenzen des Landes hinausgeht. Unsere revolutionären Flugblätter spiegeln die Entwicklung der ungarischen Revo­lution und des Freiheitskampfes im Jahre 1848/49 getreu wider, sie können daher den einzelnen Phasen dieser Entwicklung entsprechend gruppiert werden. Die Produkte der im März 1848 einsetzenden ersten Phase feiern die Errungenschaften der Revolution und machen diese dem Volke bekannt. In den Flugblättern aus dieser Pe­riode herrschen noch Loyalität und Königstreue vor; man vertraut noch den Versprechun­gen des Herrschers, wenn man auch schon hinweist auf die begangenen Fehler, die herr­schenden Misstände verurteilt und den König vor dem Einfluss seiner reaktionären Um­gebung warnt. Die Angriffe richten sich aber noch nicht gegen Ferdinand selbst, sondern gegen Metternich und die verhasste Kamarilla. Die zweite Gruppe der Flugblätter hängt mit der im September 1848 erfolgten Wen­dung und dem Beginn des ungarischen Verteidigungskampfes zusammen, der einsetzte, als das Doppelspiel des Wiener Hofes mit dem heimlich in aller Weise unterstützten Banus von Kroatien, Jellaëié offenkundig wurde. Die Revolution nahm da eine Wendung nach links; man erklärte den Unterdrückern offen den Krieg und rief das ganze Volk unter die Waffen. Diese Wendung kommt in dem immer schärfer werdenden Ton unserer Flugblätter zum Ausdruck, in den höhnischen Steckbriefen und Reisepässen gegen Jella c té und seine Protektorin, die Kaiserin-Mutter Sophie, sowie in den Spottliedern auf den hingerichteten Landesverräter Ödön Zichy und den in Pest gehenkten kaiserlichen Kommissar Ungarns, Lamberg. Die ungarländischen Flugschriften in deutscher Sprache, die als Extraausgaben der Zeitungen, in Form von „Plakaten" erschienen, bringen Kommentare zu den neuesten Ereignissen, enthüllen die wahre Sachlage (Ein Jeder muss es wissen), weisen auf die Wich­tigkeit des gemeinsamen Kampfes der Ungarn und Österreicher hin (Ungarn muss siegen, oder Österreich ist verloren), (Ungarn ist gerettet, Österreich erhalten worden), und appehieren an die grosse Gemeinschaft aller Völker (HöYs Europa! Hört es alle Völker!). • Die dritte Gruppe steht in Zusammenhang mit der Wiener Oktoberrevolution, die ausbrach, als österreichische Truppen sich weigerten, gegen die Ungarn zu kämpfen. Damals hört schon alle Schonung auf: der verhasste Kriegsminister Latour wird vom Volke mit dem Tode bedroht (Latour im Ofenloch); der blutgierige Windischgrätz erscheint als Menschenfresser (Windischgrätz beim Gabelfrühstück) ; der einst „gütige" Kaiser Ferdinand wird aus einem „Landesvater" zu einem Henker, der seine eigene Hauptstadt bombardieren lässt und sein Volk mit Feuer und Schwert verfolgt. Die Verfehlungen des Herrschers werden in Form von satirischen Beichtbekenntnissen, Litaneien, Zehn Ge­boten und höhnischen Parodien auf die Volkshymne aufgedeckt. Dies bezieht sich auf die deutschsprachigen Flug- und Schmähblätter, aber auch in den ungarischen wird der Bruch mit den verschiedenen Institutionen des Königtums gefordert, das gesamte Volk zum Kampfe aufgefordert, der Gedanke der Republik — von Petőfi schon im März 48 aufgeworfen — findet immer mehr Anklang und das Republikanische Blatt tritt auf den Plan. Ein Grossteil der 48 erschienenen revolutionären Flugblätter weisen den höher ent­363

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