AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1957. Budapest (1958)

Nagydiósi Gézáné: Magyarországi női lapok a XIX. század végéig

Ungarländische Frauenzeitschriften bis zum XX. Jahrhundert NAGTDIÓSI OÉZÁNÉ Die ökonomische Lage, die Gebundenheit zur Familie und die Interessensphäre der Frauen gestatteten Jahrhunderte hindurch nicht, dass auch sie die Wohltaten des Buch­druckes in solchem Masse gemessen können als die Männer. Als es aber die gründlichen Veränderungen der ökonomischen, gesellschaftlichen und Familienverhältnisse ermög­lichten, wurden auch die Frauen zu einem ganz besonderen Leserpublikum, mit dessen Ansprüchen, Geschmack und Interessenkreis man rechnen musste. All das brachte die Lite­ratur für Frauen zustande. Während der weiteren Entwicklung musste auch die periodisch erscheinende Presse die besonderen Ansprüche der Frauen in Betracht ziehen, und so ent­standen die nur für Frauen redigierten, periodisch erscheinenden Zeitschriften, die vom Verfasser der leichteren Behandlung wegen „Frauenzeitschriften" genannt werden. Mit der Entwicklung und mit dem Leben solcher Zeitungen hat man sich bisher kaum beschäftigt. In Ungarn erschienen die ersten Versuche am Ende des XVIII. Jahrhunderts. Vorläufig konnte noch von einer ausgesprochenen Frauenzeitschrift keine Rede sein, nur die in Ent­wicklung begriffene ungarische Literatur bestrebt sich das national gesinnte weibliche Leserpublikum auch damit für sich zu gewinnen, dass sie sich nach seinen Ansprüchen richtet und sich immer auf den Dienst der Leserinnen beruft. Diese in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts existierenden Literaturzeitungen vermehren durch besondere Rub­riken und Modebeilagen die Zahl ihres weiblichen Publikums. Um die Mitte des XIX. Jahrhunderts stellen zwei Literaturzeitungen den Übergang zu den nur im Dienste der weiblichen Interessen stehenden Zeitschriften dar. Die Abhandlung fasst das mit der Entstehung, Blüte und mit dem Leben dieser Blätter zusammenhängende Material zusammen. Sie erschliesst nicht nur solche Tatsachen, die sich auf die Redaktion und Ausgabe der Zeitungen beziehen, sondern weist auch auf die Wandlung ihres Inhalts, ihrer Rubriken und Themen hin, es machen sich darin sogar Bestrebungen und Kämpfe der Frauen nach Geltung merkbar. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zergliedern sich selbst die Frauenzeit­schriften nach den besonderen Aufgaben der weiblichen Arbeit; es gaben solche, die haupt­sächlich für die Hausfrauen redigiert wurden, andere dienten dem Zwecke der Erziehung. Auch mehrere ausgesprochen literarische Frauenzeitschriften erschienen um das Ende des vorigen Jahrhunderts, man gab auch den jungen Mädchen ihrem Alter und Interesse gemässe Zeitschriften in die Hände. In den Frauenzeitschriften kamen die für die gesellschaftliche Anerkennung, breitere Arbeitsmöglichkeiten und politische Rechte der Frauen kämpfenden Bewegungen zum Ausdruck; einige Bewegungen hatten sogar ein „Amtsblatt", welches offen, auch durch seinen Titel, oder nur durch seinen Inhalt kämpft und hilft. Diese Zeitschriften spiegeln die Beziehungen zwischen Frau und Gesellschaft und die Entwicklung der Frauenbewegung wider. Zur Gesamtheit der Drucksachen für Frauen gehören auch die Modeblätter, deren Entwicklung vom Verfasser bis zum Ende des XIX. Jahrhunderts erörtert wird. Während der Besprechung dieser Modeblätter erhellen sich die verzweigenden künstlerischen, lite­rarischen, geschäftlichen und Verlagsinteressen, welche die Begründung und Aufrechterhal­228

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