AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1957. Budapest (1958)

Borsa Gedeon: A magyarországi ősnyomtatványgyűjtemények

Wiegendruck-Sammlungen in Ungarn BORSA GEDEON Wenn auch die Druckkunst im 15. Jahrhundert in Ungarn von kurzer Dauer war, begann das Sammeln von gedruckten Büchern doch ziemlich früh. Auch in dieser Hinsicht nahm die berühmte Bibliothek des Königs Matthias Corvinus, die „Bibliotheca Corvina" einen hervorragenden Platz ein. Heute kennen wir nur mehr wenige Wiegendrucke, die aus dieser Bibliothek stammen. Die Buchsammlungen der ungarischen humanistischen Zeitgenossen des Königs Matthias hatten ein ähnliches Gepräge, waren aber natürlich viel bescheidenerer Art. Auch die lebhafte Verlagstätigkeit der damaligen Ofner Buchhändler weist auf den grossen Aufschwung der zeitgenössischen Buchkultur hin. Die länger als 150 Jahre währende Türkenherrschaft (1526—1686) zerstörte aber diese Kultur fast vollkommen. Nur in den, der Verwüstung weniger ausgesetzten Teilen des Landes, in Oberungarn und Siebenbürgen, sind Reste dieses blühenden Kulturlebens er­halten geblieben. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts traten mannigfaltige, lange dominierende Umstände auf, die das Sammeln von Inkunabeln nicht begünstigten (Kriege, Reformation, Geldmangel, die Bevorzugung von Neuausgaben, die Verbreitung des Gebrauchs der Mutter­sprache in der Literatur, etc.). Aus diesem Grunde kann vom zielbewussten und inten­siven Sammeln der Wiegendrucke in Ungarn wieder nur von. der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an gesprochen werden. Nur in den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts fanden sich in den Reihen des hohen Klerus und der Aristokratie Sammler, die für diese Passion über entsprechende Geldmittel verfügten: es wurden zu jener Zeit fast so viele Inkunabeln erworben, wie seit dem 15. Jahrhundert insgesamt in Ungarner halten geblie­ben sind. Ein ziemlich grosser Teil dieser Wiegendrucke gelangte auf Grund einer Verord­nung des Kaisers Joseph II. aus den Bibliotheken der aufgelösten Orden in die Bestände der Pester Universitätsbibliothek. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurden die Nationalbibliothek Széchényi und die Bibliothek der Ungarischen Akademie der Wissen­schaften gegründet. Zur Zeit verfügen im Lande die drei genannten Bibliotheken über die bedeutendsten Wiegendruck-Sammlungen. Von der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts an befanden sich auch in den Reihen des Kleinadels und des Bürgertums mehrere Bibliophile von Bedeutung. Die Epoche vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges — ähnlich derjenigen vor dem Ende des 18. Jahrhunderts — zeigt wieder einen grossen Aufschwung im Sammeln der Wiegendrucke in Ungarn. Für die letzten Jahrzehnte ist, in grösseren Sammlungen, die Anhäufung der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Drucke kennzeichnend: die bereits vorhandenen Wiegen­druck-Bestände wurden durch Nachlass vieler Bibliophilen und durch Bibliotheken auf­gelöster Orden bereichert. Fast ohne Ausnahme befinden sich heute die in Ungarn erhalten gebliebenen Wiegendrucke in staatlichem oder kirchlichem Besitz. Im weiteren gibt der Artikel eine kurze historische und literarische Übersicht jener ungarischen Bibliotheken, die über mehr als 100 Inkunabeln verfügen. Die ungarischen Bibliotheken verwahren insgesamt annähernd 7000 Wiegendrucke, von denen fast 2000 im kirchlichen — hauptsächlich katholischen — Besitze sind. Die Sammlungen sind konzentriert: in den bereits erwähnten drei grossen staatlichen 162

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