AZ ORSZÁGOS SZÉCHÉNYI KÖNYVTÁR ÉVKÖNYVE 1957. Budapest (1958)

Soltész Zoltánné: A Széchényi Könyvtár legszebb illuminált olaszországi ősnyomtatványai

Die schönsten illuminierten italienischen Inkunabeln der Nationalbibliothek Széchényi in Budapest SOLTÉSZ ZOLTAKNÉ Die Wiegendruck-Sammlung der Nationalbibliothek Széchényi enthält mehr als 1700 Exemplare von Inkunabeln. Der überwiegende Teil dieser Wiegendrucke ist bescheiden illuminiert; reicher verzierte Miniaturen und Randleisten finden wir nur in den Exempla­ren die für Mäzene und Bücherfreunde vornehmer Abstammung angefertigt wurden. Die schönsten Bände der Sammlung wurden in Italien gedruckt und grösstenteils am Erschei­nungsort illuminiert. Von aussergewöhnlichem Wert ist das aus der Bibliothek des Königs Matthias Cor­vinus stammende Exemplar des Werkes Supplementum Summae Pisanellae von Nicolaus de Ausmo (Venedig: Wendelin von Speyer, 1473). Die Wappen auf dem ersten Blatt bezeugen, dass König Matthias diesen Band von Papst Sixtus IV. als Geschenk erhalten hat. Die reich vergoldete Initiale und Randleiste des Wiegendruckes wurde Mitte der 1470-er Jahre in Venedig ausgeführt. Die Verzierung von drei Bänden wurde in der als „maniera humanistica''' bekannten Art ausgeführt: in den Randleisten und in den Initialen windet sich auf mehrfarbigem Grund eine weisse Spiralranke. Das Werk Catena aurea von Thomas de Aquino (Rom: Kon­rad Sweyriheym und Arnold Pannartz, 1470) wurde von einem römischen Buchmaler, die História Romanae decades des Livius (Venedig: Antonio Miscomini, 1478) von einem vene­zianischen Miniator illuminiert. Die gemalten Initialen im Werke História naturalis des Plinius (Venedig: Nicolas Jenson, 1472) erinnern auffallend an die Initialen des in der Österreichischen Nationalbibliothek zu Wien aufbewahrten Exemplars; es ist anzunehmen, dass das Budapester und Wiener Exemplar von der Hand desselben Buchmalers geschmückt worden ist. In einem anderen Stil sind die farbenprächtigen Initialen und Randleisten von dem, einer venezianischen Werkstätte angehörenden Miniator jenes Hieronymus-Bemdes (Epi­stolae, Venedig: Antonio Miscomini, 1476) ausgeführt, der aus der Bibliothek des Grafen Paolo Vimercati Sozzi, Bergamo nach Ungarn gelangt ist. Die Verzierung von zwei Missalen wurde in Ungarn, in der durch König Matthias Corvinus in Ofen errichteten Buchmaler-Werkstätte ausgeführt. An der Zierleiste des einen: im Messbuch des Erzbischofs von Kalocsa Péter Váradi (Missale Strigoniense, Venedig, Johannes Emericus de Spira, 1498) ist die Einwirkung des florentinischen Buchmalers Attavante degli Attavanti klar erkennbar. Einige Initialen hingegen zeigen mit denen des Felix Petancius Ragusanus, des Leiters der Ofner Werkstätte, grosse Ähnlichkeit. Die ge­meinsame Einwirkung von Attavante und Felix Petancius beweist, dass diese Verzierungen von der, im eigenartigen eklektischen Stil arbeitenden Ofner Werkstätte ausgeführt wurden. In dieser Werkstätte wurden auch die 1499 in Venedig erschienenen, auf Pergament gedruckten Exemplare des Missale Quinqueecclesiense (Johannes Emericus de Spira) ver­ziert. Die in der Nationalbibliothek Széchényi, in Pannonhalma und in Pécs befindlichen Exemplare sind mit Initialen identischen Charakters und mit äusserst ähnlicher florenti­nischer Ornamentik geschmückt. Die drei Bände wurden von demselben Meister, dem Wappenmaler des Königs Matthias illuminiert, der an der Verzierung von mehr als 30 Corvin-Bänden teilgenommen hat. In der Randleiste seines schönsten Werkes, des Ko­dexes der Bibliothek in Modena „De re aedificatoria" von Leon Battista Alberti ist dieselbe 10 145

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