Szekessy Vilmos (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 53. (Budapest 1961)
Párducz, B.: Bewegungsbilder über Didinien
2. Diese apolare, also lokomotorisch in sich noch unwirksame Eigenbewegung der Zilie wird vermutlich auch beim Didinium von endogenen und in der Kortikalschicbt des Zellkörpers vorwärtshuschenden Erregungsimpulsen zu metachronisch geregelten und einseitig gerichteten Ruderschläge ungestaltet : die Zilien, welche die Frontlinie der Koordinationsimpulse gerade erreicht hat, werden von ihren momentanen Bewegungsstellung entlang einer auf die Körperoberfläche senkrechte Ebene zu einem häftigen Schlag veranlasst (progressive Phase). Wenn die Erregungswelle dahingeglitten ist, setzen derselbe Zilien von der Endstellung des Schlages ausgehend im Wesen ihre spontane, nach links drehende Trichterbewegung solange fort, bis von der nächstfolgenden Erregungswelle diese regelmässige Kegelschwingung aufs neue deformiert wird (regressive Phase). 3. Die metachronischen Zilienwellen wandern im Falle von Paramecium nach rechts vorne, beim Didinium hingegen innerhalb der beiden Zilienkränze nach rechts (vom hinteren Pol betrachtet im Sinne des Uhrzeigers), ringsherum auf der Körperoberfläche. 4. Während der ungestörten freien Vorwärtsbewegung wird die spontan linksdrehende Zilie von jeder endogenen Erregungsimpulse nicht — wie beim Paramecium — in einer nach links vorne, sondern in einer nach rechts vorne geneigten Bewegungsstellung getroffen und zur wirksamen Schlag gezwungen. Dementsprechend resultiert beim Didinium eine Translation mit gleichzeitiger Rotation nach rechts, bzw. eine Bewegung entlang einer rechtsgewundener Schraubenbahn. 5. Als Folge von äusseren und inneren Einflüsse können die endogenen Erregungsimpulse, die also die Zilientätigkeit des Körpers während des Normalschwimmens primär regulieren, auch beim Didinium für eine kürzere oder längere Zeit partiell verändert bzw. völlig verdrängt werden. Dementsprechend modifiziert sich auch hier das Aktivitätsmuster der (mit den Erregungswellen kongruenten) metachronischen Zilienwellen und die verschiedenste Variante der Reizbewegungen kommen solcherart zustande. 6. Unter diesem stellt auch im Fall von Didinium die Umkehr der Bewegungsrichtung (Reversion) den maximalen, überhaupt auslösbaren Reizeffekt dar. Diese rückwärtsgerichtete Fluchtbewegung wird auch hier von einem synchronen, gegen das Vorderende hin gerichteten Ruderschlag sämtlicher Zilien eingeleitet und diese von der Entfaltung eines besonderen, für das Rückwärtsschwimmen charakteristische Zilienwellensystem verfolgt. Die Achsendrehung geschieht während der Reversion vom hinteren (vom Gesichtspunkt der Bewegungsrichtung jetzt nach vorne blickende) Pol betrachtet nach links. Während also im Falle von Paramecium zwischen der Schlagrichtung bei der Vor- und Rückwärtsbewegung nur ein Winkel von etwa 50° besteht, dreht sich hierbei der Umschaltung auf die Reversion die Schlagrichtung der Zilien genau mit 180°. Gleichzeitig kehrt sich auch die Fortpflanzungsrichtung der metachronischen Zilienwellen vollständig um. Es ist aber auch gut vorstellbar, dass die Koordinationsimpulse im Wirklichkeit nicht nur entlang der Zilienkränze herumwandern, sondern es handelt sich hier — ebenso wie beim Paramecium — um breiten, den ganzen Körper schraubenförmig umfassenden Erregungswellen, die vom hinteren Körperende ausgehend in der äussersten Grenzschicht des Protoplasmas apikalwärts, genauer nach rechts vorne fortpflanzen und von deren Existenz wir uns — da der Körper anderswo völlig nackt ist — nur im Bezirk der Ziliengürtel (durch die metachronische Schlagart der Zilien) einer Kenntnis verschaffen können.