Szekessy Vilmos (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 53. (Budapest 1961)
Párducz, B.: Bewegungsbilder über Didinien
ANNALES HISTORICO-NATURALES MUSEI NATIONALIS HUNGARICI Tomus 53. PARS ZOOLOGICA 1961. Bewegungsbilder über Didinien Von B. PÁRDUCZ, Budapest Im Laufe der Untersuchungen die wir im Interesse der näheren Erkenntnis der Reizerscheinungen der Ziliaten vor einigen Jahren begonnen haben, bewährte sich Paramecium als Versuchsobjekt trotz der deutlich asymmetrischen Körpergestalt im allgemeinen gut, da infolge der gleichmässig verteilten Bewimperung bei diesem Vertreter der Infusorien auch die feinste intraplasmatische Erregungsprozesse sich in Form von mannigfaltigen Reizbewegungen manifestieren können. Ein Ergebnis der bisherigen Untersuchungen war die Feststellung, dass der jeweilige Ausfall der spontanen und induzierten Reizbewegungen unter anderem auch von den strukturellen Gegebenheiten des Untersuchungsobjektes, vor allem von der Anordnungsweise und Verteilungsdichte der lokomotorischen Elemente abhängt. In Anbetracht dessen schien es daher wünschenswert die Untersuchungen gelegentlich auch auf andere, in der körperlichen Beschaffenheit abweichende Formen auszudehnen, damit die grundlegenden Gesetzmässigkeiten der experimentel ausgelösten Bewegungsänderungen besser herausgeschählt werden können. In erster Linie benötigten wir ein Untersuchungsobjekt das in Anbetracht der Körperform sowie der Ausgestaltung des Mund- und Wimperapparates die möglichst einfachsten Verhältnisse verkörpert. Diesen Anforderungen schien ein Représentant der Prostomata-Infusorien aus den Tataer Seen nämlich Didinium nasutum O. F. Müller am besten zu entsprechen. Dieser gefährliche Parameciumräuber ist wiederholt der Gegenstand biologischer und cytologischer Untersuchungen geworden (B a 1 b i a n i, 1873 ; E n t z, 1883 ; M a u p a s, 1883 ; Thorn, 1920 ; Beukauf 1930 ; Párducz 1954), hinsichtlich der speziellen Art der Körperbewegungen und der Rudertätigkeit der Zilien jedoch ist unser Wissen wegen methodischen Schwierigkeiten noch ziemlich lückenhaft ; es beschränkt sich ausschliesslich auf die Registrierung mancher auch bei der Lebendbeobachtung zugänglichen Erscheinungen. Im Gegensatz zum Paramecium ist für Didinum nasutum eine fast vollständig rotationssymmetrische Form bezeichnend (Taf. I : Abb. 3). Der regelrecht ellyptische Umriss des Körpers wird nur vorne von dem kegelförmigen Rüssel unterbrochen, auch dieser liegt jedoch genau in der Fortsetzung der Körperachse. Die Grösse des Infusors weist bei wechselnder Anfüllung mit Nahrung sehr starke Schwankungen auf. Die Länge der Hauptachse beträgt im Mittel 120 ti bei 80 /.i Durchmesser. Der Körper ist am Grunde der Mundkegel sowie in der Aquatorialebene von je einem Zilienkranze umgeben, sonst ist er völlig nackt. Hinter dem vorderen (circumoralen) und äquatoriellen Wimperkränze befinden sich die 4—6 reihige „Dorsalbürsten", in unseren Präparaten haben wir jedoch auf der entsprechenden Stelle der Körperoberfläche anstatt der Borsten nur ringartige Pellikuladifferenzierungen gefunden. Die Wimperkränze bestehen aus bis zum Grunde freien Zilien, die in kurzen, dicht aneinanderschmiegenden und linksgewundenen Reihen angeordnet sind. Zu jeder Zilienreihe gehören ungefähr 12—-16 Zilien ; ihre Zahl vermehrt sich mit der Alte des Tieres. Vor der Zellteilung wird die Ziliengarnitur des Körpers verdoppelt, indem sich vor dem ersten und zweiten Wimperkranz je eine neue Wimperschnur ausbildet. Die Zielsetzung vorliegender Untersuchungen war das Aktionssystem von Didinium, d. h. die im natürlichen Milieu überhaupt ausführbaren Bewegungsformen, sowie die zugrunde liegende Zilientätigkeit des Infusors aufzuklären, um dadurch den später geplanten reizphysiologischen Versuche eine sichere Unterlage zu schaffen.