Boros István (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 4. (Budapest 1952)
Stiller, J.: Die Protozoen des Pécsely-Baches in Ungarn
Vorticella carinogammari sp. n. (Abb. 20) Diese auffallende Art ist mit Vorticella crassicaulis Nenninger nahe verwandt. V. crassicaulis ist in der Auswahl ihres Wirtstieres nicht wählerisch. Die/im PécselyBach gefundene Art siedelte sich fast nur an Carinogammarus triacanthus an. Sie lebte vom Quellengebiet in Vászoly bis zur Mündung bei Örvényes. Bachabwärts nimmt ihre Zahl immer mehr und mehr zu und bereits bei der Viehtränke (Nr. 16) ungefähr 2 km oberhalb Örvényes, war sie eine der Leitformen der Peritrichenbesiedelung von Carinogammarus. In jenem Bachabschnitt, welcher entlang des Tales Babvölgy (Nr. 5) hinabfliesst, kommt Vorticella carinogammari nur ausnahmsweise vor, da hier auch ihr bevorzugtes Wirtstier, Carinogammarus, nur äusserst selten war. An Gammarus fossarum kam sie überhaupt nicht, oder nur vereinzelt vor. Bei der Zementschleuse (Nr. 7), welche die Grenze des Hauptverbreitungsgebietes von Gammarus fossarum bildet, tritt neben Carinogammarus auch Vorticella carinogammari in bedeutend höherer Zahl auf. Bei Örvényes erreicht diese Art mitunter eine derartige Massenentwicklung, dass sie nicht nur an den Beinen und Marsupialplatten grössere Scheinkolonien bildete, sondern häufig sogar an den Kiemenblättern, besonders an deren Basalabschnitt sich ansiedelte. Bachabwärts nahm mit der Zahl auch die durchschnittliche Grösse von Vorticella carinogammari zu. Das Wärmeoptimum dieser Art bewegt sich zwischen 12—15° C. Beiden Wassermühlen in Örvényes (Nr. 19 u. 20), wo das Wasser anorganischen Stoffen reicher und durch das Drehen des Mühlenrades gut durchlüftet ist, finden die Tiere die günstigsten Lebensbedingungen. Ende Juni und August 1951, als das Wasser durch ständige Insolation und abgeschwächte Strömung stark erwärmt und an Sauerstoff armer wurde, war sie bedeutend spärlicher vertreten als im Frühjahr und Herbst. Morphologisch unterscheidet sich Vorticella crassicaulis durch ihre bedeutend plumpere, meist fast kugelige Form, höhere Lage der Pulsationsblase, das eigenartig gebaute Vestibulum, sowie den abweichend ausgebildeten Stielmuskel. Derselbe ist bei Vorticella crassicaulis breit bandförmig, gedreht, mit vielen thekoplasmatischen Körnchen. Der Stielmuskel von Vorticella carinogammari ist weder gedreht, noch bandförmig abgeflacht. Er nimmt nach unten an Dicke etwas ab und endet meist zugespitzt, in einer dünnen, fast bis zum Stielende reichenden Myonemfaser. Es fehlen auch die von Nenn inger erwähnten thekoplasmatischen Granula. Zur Zeit des niedrigen Wasserstandes im Jahre 1950. steckte der auffallend dicke, nicht sehr kontraktile, oft runzelige, meist gebogene Stiel am Orte ihrer Massenentwicklung in einer ihn pelzartig umgebenden Tektinhülle, welche mitunter derart dick war, dass Form und Konturen des Stieles unsichtbar blieben. Im Quellengebiet und im oberen und mittleren Lauf des Baches fehlte diese Tektinhülle. An der Stielscheide klebten hier nur vereinzelte Tektinkörnchen, deren Menge bachabwärts nach und nach zunahm. Tn der Gefangenschaft löste sich die Tektinhülle auf. Am 3. Tag waren die Stiele fast sämtlicher Tiere bereits kahl. Die Oberfläche des Stieles ist nur selten vollkommen glatt. Dieselbe ist meist uneben, selten gerunzelt und weist häufig kleinere oder grössere körnchen- oder höckerartige Erhebungen auf. Die Länge des Stieles variiert zwischen zwei- bis fünffacher Körperlänge. Infolge seiner auffallenden Dicke ist der Stiel nicht sehr kontraktil. Während der Kontraktion bildet er aber keine Knickungen, sondern einer weiten-Spirale entsprechende Schlingen.