Rotarides Mihály - Székessy Vilmos (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 37. (Budapest 1944)
Bartha, F.: Richtungen in der Biologie und ihre Beziehungen zur Paläontologie
ANNALES HIST.-NAT. MUSEI NATIONALIS HUNGARICI XXXVII. PARS MIN. GEOLi. PAL. 1944. RICHTUNGEN IN DER BIOLOGIE UND IHRE BEZIEHUNGEN ZUR PALÄONTOLOGIE. Von Ferenc Bartha (Budapest) . Vitaliemus. Die philosophischen Grundlagen zur heutigen Betrachtung von Leben und Entwicklung hatte in seinen „Essays" (1550) bereits Montaigne geschaffen, indem er aussprach, es gebe nichts Bleibendes, alles entstehe nur, aber nichts habe ein Dasein, sondern alles schreite dem Sterben entgegen, noch bevor es geboren wurde. Auch das Prinzip des Heraklit „Alles strömt" drückt im Wesentlichen diesen Gedanken aus; mit anderen Worten, das Geschehen, die Veränderung stellt den charakteristischesten Zug des Lebens dar. Die biologische Entwicklung wurde wahrscheinlich zum erstenmale von Anaximander zum Ausdruck gebracht, der die Lebewesen aus dem Meeresschlamm ableitete, den Menschen aber von den Fischen. Die Überlegungen, die , das Wesen von Leben und Entwicklung zu deuten trachten, stehen entweder dem Vitalismus, oder dem Holismus und Mechanismus nahe. Philosophisch betrachtet, gelangen diese Richtungen in dem Spiritualismus, bezw. in dem Materialismus an ihre äusserste Grenze, während sich der Holismus im wesentlichen bald dem einen, bald dem anderen nähert. Beide philosophische Richtungen entstanden fast gleichzeitig mit dem wissenschaftlichen Denken und erreichten in ihren Grundsätzen bereits in der griechischen Kultur ihre volle Entfaltung. Dennoch überwogen im Zusammenhang mit dem Leben bis zur bedeutsamen Ausbreitung der Physik und Chemie, d. h. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, die vitalistischen Überlegungen. — Man hielt das Leben für mehr als einen einfachen Mechanismus. Cuvier, Agassiz und Chambers nahmen bereits entschieden für einen schaffenden Willen Stellung, dessen Wesen auf geistigem Gebiet zu finden sei. Der Vitalismus dieser Zeit verdankt sein Dasein zum Teil dem unzulänglichen Stand der Physik und Chemie, während ähnliche Richtungen, die auch in unseren Tagen zahlreiche Anhänger zählen, als Ergebnisse von Lösungsversuchen der von der Allmacht der Physik und Chemie enttäuschten Forscher zu betrachten sind. Dieser Vitalismus von heute ist keineswegs eine einheitliche Richtung. Man spricht von Physiovitalismus (Tschermak), Form-Vitalismus (Driesch), Psycho-Vitalismus (P a u 1 y) und Euvitalismus (K. C. Schneider).