Rotarides Mihály - Székessy Vilmos (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 37. (Budapest 1944)

Bartha, F.: Richtungen in der Biologie und ihre Beziehungen zur Paläontologie

Botanik) lassen sich gerade aus dem zeitlichen Nacheinander ihres Gegenstandes ableiten. Hieraus ergibt sich, dass der Paläontologe im grossen und ganzen nur mit Funden arbeiten kann, die sich zur Fossili­sation eignen, was aber auch die geschichtliche Betrachtungsweise der Paläontologie ermöglicht. Die Biologie befasst sich nur mit der Erfor­schung des gegenwärtigen Querschnittes des Lebens, wogegen die Paläontologie die Entwicklung der Formen im Laufe der geologischen Epochen verfolgt. Daher kann die Biologie bei der Bildung von Ver­erbungslehren die Angaben der Paläontologie nicht entbehren. Die Paläontologie aber ist bei der Deutung der Funde unbedingt auf die Biologie angewiesen. Die philosophischen Grundlagen der paläontologischen Arbeits­methode sind nach H e n n i g Beobachtung und Deutung. Ihre Be­trachtungsweise aber ist teils historisch, teils biologisch (39). Bei der Deutung der paläontologischen Funde kamen je nach- dem Entwicklungsstand der Biologie, recht verschiedene Grundsätze zur Geltung. Von den vitalistischen Überlegungen gewann in der Paläon­tologie insbesondere der Psycholamarckismus breiten Raum. Diese Lehre erhielt in der Deutungsart der morphologischen und funktionellen Unterschiede von Rassen (Makroevolution), oder seltener von Gruppen innerhalb der Rasse (Mikroevolution) eine Bedeutung. Im allgemeinen spricht man von Psycholamarckismus, wenn irgendeine Änderung durch Zweckmässigkeitsbewusstsein gedeutet wird. So nimmt man z. B. bei der Änderung der Umwelt an, dass die Organismen zur Anpassung an eine neue Umwelt, zur strukturellen und funktionellen Differenzie­rung durch eine innere oder äussere geistige Kraft (Instinkt) befähigt werden (z. B. bei Austrocknen des Wassers bildet sich in ihnen eine Lunge). Hebt man mehr die Bedeutung der äusseren Kraft hervor, d. h. fällt der Akzent mehr auf die Änderung der Umwelt, so überwiegen die lamarckistischen Bestände, wobei die Änderung mechanistisch ge­deutet und gleichsam als Reaktion der gewandelten Verhältnisse be­trachtet wird. Wird aber das bewusste Streben nach Zweckmässigkeit betont, so überwiegen die vitalistischen Bestände. Es wäre richtiger, statt von bewusstem, von überbewusstem Streben zu sprechen, da die Vitalisten hinter solchen Fällen im allgemeinen nicht das selbstbewusste „Ich", sondern ,,die immanente geistige Kraft" voraussetzen. Eine Aus­nahme bildet hierin der Psycholamarckismus, da nach ihm keine unbe­dingte Kraft^ sondern nur tastender Instinkt wirksam ist. Diese Probleme wurden durch die Entwicklung der Vererbungs­lehre und die Gleichgewichtsforschungen der Biologie in andere Be­leuchtung gerückt. Einerseits bestimmt der Vererbungsbestand die

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