Rotarides Mihály (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 34. (Budapest 1941)
Kretzoi, M.: Betrachtungen über das Problem der Eiszeiten. (Ein Beitrag zur Gliederung des Jungtertiärs und Quartärs)
kann es in extremen Fällen (Abneigung des Massengeoid vom Rotationsgeoid um 90°) dazu kommen, daß trotz unveränderter Lage der Rotationsachse (also nach MILANKOVIC keine Änderung in den Klimaverhältnissen!) die beiden Polarkalotten zu tropischen Äquatorialllächen werden, zwei der entgegengesetzt gestellten Viertel der Äquatorialzone dagegen zu Polarkappen, die beiden anderen antipodisch neben den zwei früheren Polkalotten zu Bestandteilen der Äquatorialzone! Aus diesem Umstand ist es leicht zu begreifen, daß dieser Faktor weit größere Folgen haben kann, als die im Maximum nicht ganz anderthalb Grad betragende Balanzierung der Rotationsachse, die wie dort näher besprochen, nur auf die Jahresamplitude (also Jahreszeiten) Einwirkung hat. Deshalb ist es besonders zu beklagen, daß eben dieser Faktor außerhalb des Bereiches unserer Berechnungsmöglichkeiten steht: wir dürfen nämlich nicht vergessen, daß die Möglichkeit der Kontinentaldrift unsere Hoffnung, mit der Zeit durch indirekte (biogeographische) Dokumente die Klimazonen und so mittelbar die Polwanderung in den geologischen Perioden rekonstruieren zu können, äußerst vermindert. 2. Als zweiter, wichtiger irdische Faktor ist der Abstand des in Rede stehenden Gebietes vom Rotationspol der betreffenden Erdhemisphäre zu bezeichnen. Diesbezüglich wissen wir, daß unter ganz gleichen Verhältnissen in Bezug auf Meereshöhe, Abstand vom Meer, morphologische Konfiguration, usw. die durchschnittliche Annäherung um 1000 km an den Pol 4—8° C Temperaturerniedrigung im Jahresmittel hervorruft (5). 3. Unter den lokalen Faktoren ist die relative Höhe des betreffenden Gebietes von großer Wichtigkeit. Hier kann mit einer Temperaturabnahme von 5—8° C je 1 km Erhöhung (5) gerechnet werden. Wie weitgehend größere epirogenetische Erhebungen den Klimacharakter eines Gebietes beeinflussen können, ist am besten am Beispiel von Tibet zu sehen: dieses Hochland besitzt heute infolge seiner großen Meereshöhe, trotz seiner geringen Entfernung vom Äquator und der „Interglazialzeit" (im Sinne MILANKOVIC'S) ein ausgesprochen arktisches Tundrenklima. Würde aber in einer zukünftigen „Glazialperiode" zufällig ein Absinken dieses Gebietes auf 1—200 m Meereshöhe eintreten, so würde in Tibet in dieser, vielleicht sehr stark hervorspringenden Glazialperiode ein im Vergleich mit dem lokalen Hochglazial des heutigen allgemeinen Interglazials recht mildes Interglazial herrschen. 4. Ein weiterer Lokalfaktor, der aber nicht das Jahresmittel beeinflußt, sondern vielmehr das Verhältnis zwischen Sommer- und