Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 22. (Budapest 1925)
Fejérváry, G. J.: Die phyletische Bedeutung des Prähallux und vergleichend-osteologische Notizen über den Anuren-Tarsus
Bevor ich diesen Abschnitt schließen würde, sei auch der relativ wenigen Gegner der obigen phantastischen Theorie gedacht. Hier ist vor allem der hervorragende Forschergeist G. BAUR, ein Amerikaner deutschen Ursprunges, zu nennen. Auch LEYDIG und C. K. HOFFMANN, 1 der sich der früheren Auffassung GEGENBAUR'S anschloß, betrachteten den Prähallux als ein sekundäres Gebilde. Daß diese morphogenetisch richtige Deutung der Prähalluxfrage den Sieg über die märchenhaften Strahlentheorien bis zum heutigen Tage doch nicht davonzutragen vermochte, dürfte seinen Grund einesteils darin finden, daß damals weder die ethologisch-oekologische Seite in ihren feineren Details noch die mit ihr im innigsten Zusammenhange stehenden verschiedenen morphologischen Formationen des Prähallux bei den einzelnen Froschlurchen eine gebührende Berücksichtigung fanden, anderenteils liegt aber der Grund hiefür in der bereits erwähnten überwiegenden Zahl und großen persönlichen Autorität der Vertreter des MECKEL'schen Lagers. Ich glaube, daß heutzutage — wo die Forschung in einer gelasseneren Weise vor sich geht, wo wir die Methoden biologischer Untersuchung bereits erlernt haben dürften, und wo es der Evolutionslehre nicht mehr gestattet ist, ihre Wahrheiten durch nicht minder übernatürliche „Beweise" verteidigen zu wollen, wie es die biblische Schöpfungsgeschichte tat, die sie s. Z. zu bekämpfen hatte — die von MECKEL, CUVIER, GEGENBAUR, BORN, ALBRECHT 2 , EMERY, WJEDERSHEIM, V. BARDELEBEN, und ihren Anhängern vertretene Gliedmaßenstrahlentheorie endgültig ad acta gelegt werden und höchstens hinsichtlich der historischen Entwickelung der anatomischen Forschung eine Berücksichtigung beanspruchen kann. Mit demselben Rechte, mit dem man beim Menschen „Prähalluxrudimente" sucht, könnte man bei ihm auch nach bem Os falciforme des Maulwurfes, nach Patagialsporen, wie sie bei den Sciuroidea, Anomaluroidea und Chiroj)tera auftreten, suchen, denn der Prähallux oder die überzähligen Paddelstrahlen der eurypterygen Ichthyosaurier und Sauropterygier sind nicht weniger Spezialerwerbungen als jene. Es wäre entschieden viel gesünder, wenn man beim Menschen, um bei diesem Beispiele zu bleiben, in den angeblichen Prähallux- und Präpollexrudimenten mechanisch, durch den Ansatz von Muskeln und Ligamenten bewirkte Hyperostosen erblicken würde; diese Ursachen (z. B. die Ansätze der Mm. tibialis posterior und anterior an der Plantar1 In: H. G. BRONN'S Klass. u. Ordn. d. Thier-Reichs, Bd. VI, Abth. II, Amphibien, Leipzig u. Heidelberg, 1873—1878, p. 86. 2 Vgl. seine Schrift: Üb. d. morph. Werth überzähl. Finger u. Zehen, Centralbl. f. Chirurgie, 1886, No. 24, Beilage, wo die märchenhafte Lehre des aus „Hypo-" und „Epidaktylus" bestehenden „Hypepidaktylus" und anderes dergleichen zu finden ist.