Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 5. (Budapest 1907)
Méhely, L.: Archaeo- und Neolacerten. (Erwiederung an die Herren G. A. Boulenger, F. R. S. und Dr. F. Werner)
ARCHAEO- UND NEOLACERl EN. 491 die platycephalen Arten mehr schlaffe, weniger flinke, scheue aber tölpische, die pyramidocephalen hingegen elastische, hurtige, mehr aufgeweckte und beherztere Thiere sind. Flink sind freilich auch die platycephalen Arten, doch sind sie bei weitem nicht so hurtig, wie die pyramidocephalen. Werden die letzteren verfolgt, so rennen sie ungestüm und oft auf weitere Strecken, wobei sie manchmal 2—!> Meter lange Sprünge machen, wie ich dies gerade an Lacerta fiwnana WERN. in Novi, an der ungarisch-kroatischen Kliste, in einem zerklüfteten, mit üppigem Pflanzenwuchs bestandenen Felsenterrain beobachtete, wo ich mit meinem Präparator in der Zeit von etwa vier Stunden kaum ebensoviel e Stücke erheuten konnte. Es hat wohl den Anschein, als ob sich dieselbe Art in einem anders beschaffenen Terrain anders gebaren würde, dies jedoch ist blosser Schein. So habe ich lieuer Lacerta fiwnana auf dem Dammweg zwischen Metkovic und Fort Opus in Süd-Dalmatien massenhaft mit der freien Hand erbeutet, da sie im niedrigen Gras dem Gebüsche zueilend unschwer eingeholt werden konnte. Die pyramidocephale ]MCerta taurica PALL., auf die sich Herr Dr. WERNER als eine der «wenigst flinken Arten der ganzen Gattung» beruft, erscheint auch nur deshalb für weniger flink als die übrigen pyramidocephalen Arten, weil sie bei ihrer kleineren Statur schwächer ist und an ebenen Stellen, ihren Lieblingsstandorten, an welchen auch der sandige Boden ihre Flucht erschwert, leichter erhascht werden kann. Werden die platycephalen Arten verfolgt, so rennen sie nicht davon, sondern verschwinden — wie LORENZ MULLER sehr treffend bemerkt — «mit einer gewissen Gelassenheit» in der nächsten Felsspalte. Hiervon überzeugte ich mich sehr oft an Lacerta Horvdthi und L. oxycephala, obwohl sich diese beiden Arten in dieser Beziehung ziemlich verschieden verhalten, denn L. Horvdthi ist weniger, L. oxycephala aber viel mehr misstrauisch. Von der ersteren kann mit einer weissen Bosshaarschlinge fast jedes erblickte Stück erbeutet werden, was bei L. oxycephala äusserst selten gelingt. Von dieser Art habe ich im verflossenen Mai am Badostak bei Castelnuovo, ferner an den Gartenmauern von Bagusa und auf der Felseninsel Bracevac (inmitten des Xarentasumpfes bei Fort Opus) nur vier Exemplare mit der Schlinge fangen können, so dass ich schliesslich zu der Bute greifen musste,* um einer grösseren Anzahl habhaft zu werden. * Dem sieh ruhig sonnenden Thier wird mit einer geschmeidigen Rute ein leichter Hieb auf das Rückgrat versetzt, worauf das betäubte Thier vom Felsen herabkollert und leicht erhascht werden kann.