Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 5. (Budapest 1907)

Loczka, J.: Über Mineralchemie

438 josef loczka Wer aber die Schwierigkeiten kennt, wird zugestehen, dass die Erfül­lung dieses Wunsches nicht all zu nahe bevorstehe». (1. c. p. 98—99.) Bei dem vernachlässigten Zustande der Mineralchemie wird dieses wirklich nur in unabsehbarer Zeit eintreten. Die Mineraluntersuchung ist derzeit insofern unvollkommen, dass wegen Mangel an Chemikern öfters nur die krystallographischen Unter­suchungen publiciert werden ; ein Mineral ist aber nur dann völlig charakterisiert, wenn es sowohl krystallographisch, als auch chemisch untersucht ist. Den Mangel an Chemikern in der anorganischen Chemie erklärt HILLEBHAND 1 folgendermassen : «Die Zusammensetzung der letzten Be­standtheile der Erdkruste, der verschiedenen darin vorkommenden und meist gesteinsbildenden Mineralien zu erforschen — dies war das Lieb­lingsthema der grossen Chemiker der ersten Hälfte unseres Jahrhun­derts. Der unverdrossenen Mühe und Gewissenhaftigkeit eines Berzelius, Wöhler und anderer gebührt der Dank der Mineralogen und Geologen der Gegenwart. Wenn man der Schwierigkeiten gedenkt, mit denen sie bei der ihnen zu Gebote stehenden Ausrüstung des Laboratoriums und der Beschaffenheit der Beagentien zu kämpfen hatten, so erscheinen ihre im allgemeinen ausgezeichneten Leistungen geradezu staunens­werte In engster Beziehung zur Analyse der Mineralien steht die ihrer mehr oder weniger komplizierten Mischungen — der Gesteine. Im Dienste der Petrographie und Geologie war eine grosse Schar von Chemikern jahrzehntelang damit beschäftigt, jährlich Hunderte von Analysen aller Grade der Genauigkeit und Vollständigkeit zu liefern. Aber mit dem Anwachsen und der ausserordentlich schnellen Entfal­tung der sogenannten «organischen Chemie» geriet die «anorganische Chemie« sozusagen in Missgunst, In vielen, selbst den besten europäi­schen Laboratorien kam dem Unterricht in der Mineralanalyse, sofern er einen Tlieil des Studienganges bildet, eine nur untergeordnete Bolle zu ; wurde doch durch das immerfort wachsende Studium der Ivohlen­stoffverbindungen und ihre rapide Vermehrung ein weites und geeigne­tes Feld für selbstständige und möglicherweise nutzbringende Unter­suchungen geöffnet, das dem jungen Chemiker verlockendere Aussichten bot als der oft schon abgegraste und anscheinend erschöpfte Weide­platz der anorganischen Chemie. Auf einen Studierenden, der sich mit schwierigeren Untersuchungen auf anorganischem Gebiet beschäftigt, 1 Dr. W. F. HILLEBRAND : Praktische Anleitung zur Analyse der Silikat­gesteine nach den Methoden der geologischen Landesanstalt der Vereinigten Staaten. Leipzig, 1899, p. 6.

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