Horváth Géza (szerk.): A Magyar Természettudományi Múzeum évkönyve 1. (Budapest 1903)
Enderlein, G.: Die Copeognathen des indo-australischen Faunengebietes
288 1 )' GÜNTHER ENDERLEIN Das Gespinnst pflegt eine grosse Fläche zu bedecken, u. zw. der geeigneten Stelle entsprechend, in circa 15—30 Cru. Breite und in einer Höhe von 1—2, bis zu 6—8 Metern. Die Beschaffenheit des Gespinnstes ist aus den übersandten Stücken von Baumrinden ersichtlich. Es ist daran zu ersehen, dass von einer Hervorragung der Rinde zur anderen feine dünne, weisse Fäden gezogen sind, und zwar in jeder Richtung und so dicht, dass dieselben, ohne verwoben zu sein, eine dünne, aber undurchdringliche Schicht bilden. Die Richtung der meisten Fäden läuft von oben nach unten, so dass das schleierähnliche Gespinnst so aussieht, als wäre es von oben nach unten stark, seitlich aber kaum angespannt. An der Oberfläche ist das Gespinnst gleichmässig und werden keine Lücken darin gelassen ; blos da, wo dasselbe zufällig zerreisst, oder die in der Baumrinde sich entwickelnden Käfer bei ihrer Entfernung dasselbe durchlöchern, zeigt sich irgend eine Oeffnung. Die kleineren Risse werden auch nicht ausgebessert, blos grössere Defecte ; ich schlug in ein solches Gespinnst mit einer Bürste grössere Löcher, welche nach 3—4 Tagen wieder versponnen waren. Unter dem Gespinnst werden keine Gänge angebracht ; die Thiere laufen kreuz und quer darunter hin. Grössere Gruppen derselben zeigen sich nur in den Rindenrissen, welche mit dem Gespinnst gleichfalls überzogen sind. Zweck des gemeinschaftlichen Gespinntes ist die Vertheidigung, besonders gegen die Ameisen. Zum Fangen von Insekten ist dasselbe nicht geeignet, es ist auch nicht klebrig; die kleinen Mücken laufen gemächlich darauf herum und auch die Ameisen-Karawanen ziehen darüber hinweg. Allein das Scliutzgespinnst leistet auch bei der wichtigen Nahrungsfrage gute Dienste ; denn dass die Psociden bei gutem Appetit sind, das beweisen die im Innern des Gespinnstes haften gebliebenen zahlreichen kleinen Kügelchen. Die Kost lieben sie trocken servirt, unter dem Gespinnst aber vertrocknen die in den Rindenrissen wuchernden Schimmelpilze, Algen und jungen Jungermanniaceen-Moose. Wenn sich in der Nähe der Colonie eine Gruppe dieser Pflanzen zu entwickeln beginnt, so überziehen die Psociden die betreffende Stelle mit einem aus 3—4 Schichten bestehenden dichten Gespinnst, leiten dadurch die dorthin sickernde Flüssigkeit ab und ziehen nach erfolgter Verdorrung der Pflanzen dahin zu reichem Mahle. Die ersten Nester habe ich schon vor Monaten bemerkt und dieselben zeitweilig öfters untersucht, um geflügelte Exemplare zu erlangen, allein vergebens. Die kurzgeflügelten Formen waren unter dem Gespinnst stets in Menge vorhanden, dieselben zeigten jedoch den Nymphen-Charakter in so hohem Grade, dass ich mich damit durchaus nicht zufrieden geben konnte, es mit brachypteren Formen zu thun zu haben. Nachdem sie sich jedoch noch seitdem nicht zu geflügelten Formen entwickelten, so musste ich eben annehmen, dass dieselben trotz ihrem NymphenAussehen dennoch Brachypteren seien. Erst jetzt, als ich sie endgiltig einsammelte, gelang es mir darunter auch zwei geflügelte Stücke zu finden. Bei der Verpackung dieser Psocideu-Nester waren die darin befindlichen Psociden-Larven und Nymphen noch am Leben. Es mag sein, dass sich einige derselben unterwegs entwickeln. Die Gespinnste expedirte ich in einer Blechbüchse und in derselben in Spiritus auch verschiedene Formen des Insektes, fast in allen Stadien der Entwickelung. Beim Einsammeln der geflügelten Exemplare dachte ich nicht daran, dass ihr Abdomen im Spiritus bis zur Unkenntlichkeit zusammenschrumpfen wird, habe daher ihre Färbung nicht notirt; aber nach den Larven, deren Färbung sich im