Czére Andrea szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei (Budapest, 2007)

JÜRGEN ZIMMER: Addenda - Weitere Zeichnungen von Joseph Heintz

Die drei ausgewählten Zeichnungen aus seiner späteren Zeit zeigen den Kammermaler Rudolfs II. auf der Höhe seiner Kunst, die ihren ästhetischen Reiz noch in eine Zeit trug, die bereits von (religions)politischen Konflikten ernster Natur bestimmt war. ZWEI FLÖTENSPIELERINNEN (ABB. 12) Bis jetzt ist keine Zeichnung von der Hand des Heintz bekannt, die in genau derselben Manier ausgeführt wäre wie diese Flötenspielerinnen. Im zeichnerischen Vortrag kommt ihr die Skizze der Hl. Barbara in Budapest (Z88, A71 Abb. 110) noch am nächsten. So müssen Kriterien her­angezogen werden, die normalerweise als eher sekundär gelten, die zusammen aber doch die Zuschreibung des nicht weiter bezeichneten, locker und sicher skizzierten Blattes begründen. Zum einen ist da der allgemeine Habitus der Figuren, das Volumen ihrer Körper, das Spiel ihrer Gliedmaßen, wozu auch eine bei Heintz wiederholt zu beobachtende anatomische Unkorrekt­heit (wenn man so will) gehört: Den rechten Oberschenkel der vorderen Figur muß man sich ganz unnatürlich lang vorstellen, dennoch wirkt die Figur damit überzeugend. Ebenso verhält es sich bei Venus, Satyr und Cupido (Z88, A47 Abb. 86, 87). Zum anderen entspricht der lockere Zeichenstil auch dem Sudeler-Bildnis in Alünchen (Z88, A49 Abb. 91). Kopftypen und Gesichts­ausdruck finden sich in Sine Cerere et Baccho friget Venus in Frankfurt a. M. (Z88, A57 Abb. 97) ähnlich ausgebildet. Als besonders bemerkenswerte und wichtige Tatsache kommt hinzu, dass das Papier, auf dem Heintz zeichnete, aus zweiter Hand stammt, d.h. dass er Makulatur wie­derverwendete, indem er auf der Rückseite eines Papiers zeichnete, welches ein Augsburger oder Prager Uhrmacher oder anderer Kunsthandwerker zuvor benutzt hatte und/oder das aus den Papieren des Geheimen Rates Kaiser Rudolfs II. und Reichshofratspräsidenten Paul Sixt Trautson (nicht „Praulheimb" wie gelesen wurde) 6 stammte. Trautson wurde im Jahre 1600 aus dem Hofdienst entlassen. Auf ein ebensolches Papier, wohl aus demselben Bestand, jedenfalls von derselben Hand beschriftet, hat Heintz - diesmal auf die Vorderseite - sein Studienblat mit Nymphen in Budapest (Z88, A67 Abb. 109) gezeichnet. Der Zeitraum, dem die gezeichneten Vergleichsbeispiele von Heintz wohl entstammen, reicht von den frühen neunziger Jahren bis in die Zeit um und nach 1600, keines ist allerdings sicher datiert. Ich möchte aber annehmen, daß die schönen Flötenspielerinnen in die Zeit zwischen 1595 und 1605 gehören, in einen - zuge­geben - langen Zeitraum, in dem Heintz aber auf der Höhe seines Schaffens stand. Wir kennen nicht den Anlass oder Zweck, der ihn veranlasst hat, diese Flötenspielerinnen auf der Makula­tur w ie es scheint spontan zu Papier zu bringen und dabei den von ihm besonders geschätzten Rückenakt des weiblichen Körpers erneut in Szene zu setzen.

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