Czére Andrea szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei (Budapest, 2007)

MARIAN BISANZ-PRAKKEN: Bemerkungen zum Bildnis des „Pfarrers von Steenwijkerwold" von Jan van Bouckhorst

van Leyden, deren Kunst im Haarlemer Milieu des frühen 17. Jahrhunderts sehr bewundert und der auch nachgeeifert wurde. 5 Dass sich Bouckhorst für diese Art von historisierenden Porträt­wdedergaben interessiert hat, zeigt auch sein 1615 datiertes „Phantasiebildnis eines Mannes in altertümlicher Tracht", in dem die zentral in den Vordergrund gerückte Hand und die sichere, teilweise heftige Strichführung als herausragende Merkmale zu bezeichnen sind 6 (Abb. 2). Weniger extrem in der Wiedergabe der Perspektive und auch weniger energisch im Feder­duktus ist das skizzenhaft ausgeführte Albertina-Blatt, in dem sich Bouckhorst nach einem eher konventionellen Bildnistypus des frühen 16. Jahrhunderts zu richten scheint. In der Bekleidung wie auch in der Haltung kommt die Darstellung dem von Goltzius um 1600 gezeichneten, wenn auch weitaus detaillierter ausgeführten „Bildnis eines Gelehrten im Stile Lucas van Leydens" durchaus nahe 7 (Abb. 3). Dieses Phantasieporträt, das als Vorlage für einen nicht ausgeführten Stich entstand, zeigt die Attribute des Gelehrten: Schreibgeräte und ein beschriebenes Blatt Papier. Bis hin zur Wiedergabe seines Attributes könnte Bouckhorst in seiner Darstellung des „Pas­toor vant steenwijker wolt" also den um 1600 neubelebten Typus der Renaissance-Bildnisse antiker Gelehrter oder Humanisten vor Augen gehabt haben. Der so Porträtierte vermittelt allerdings nicht den Eindruck, seinen Status optimal zu repräsentieren. Seine Bekleidung wirkt nicht besonders gepflegt, und seine Mimik mit den gerunzelten Stirnfalten und dem leicht verzweifelten Blick ist von einem eigentümlichen Pathos geprägt. In Verbindung mit der Beschriftung präsentiert sich das Phantasiebildnis wie die Karikatur eines bescheiden situier­ten Pfarrers aus der Provinz. Diese satirische Komponente verbindet das Blatt mit einer Anzahl karikatur-artiger Bild­nisse des Künstlers. Prominente Beispiele dieser Kategorie bilden die beiden 1617 datierten, gleichfalls mit auffallenden, nicht restlos gedeuteten Beschriftungen versehenen Bildniszeich­nungen „Sr. Hans Stockvis" (gleichfalls in einer Kostümierung des 16. Jahrhunderts, Abb. 4) und „Joffrouw Braet-Haringh". Vermutet wird, dass diese markanten Charakterköpfe im Zusammenhang mit einer Posse oder einem Theaterstück aus dem Milieu der „Rederijkers" entstanden sind - sei es als Pendants, oder als Teile einer Serie. 8 Nicht auszuschließen ist die Möglichkeit, dass das Albertina-Blatt im Hinblick auf eine Widmung entstanden ist. Neun Jahre nach dem Halbbildnis des „Pfarrers von Steenwijker­wold" schuf Jan van Bouckhorst das Halbbildnis eines schreibenden alten Mannes. Diese kräf­tig lavierte Federzeichnung wurde aufwendig signiert, 1629 datiert sowie mit einer Widmung versehen und diente als Beitrag für das Album Amicorum für den aus Haarlem stammenden, in Leiden tätigen Historiker und Dichter Petrus Scriverius (Pieter Hendricksz. Schrijver, 1576-

Next

/
Oldalképek
Tartalom