Csornay Boldizsár - Dobos Zsuzsa - Varga Ágota - Zakariás János szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 100. (Budapest, 2004)
SZMODISNÉ ESZLÁRY, ÉVA: Über „Salvator incoronatus" Reliefs aus dem toskanischen Kunstkreis
Unser Relief gehört aus ikonographischer Sicht zum Bildtypus „Salvator incoronatus". Dieser geht aus der Tradition „vera icon" „vera effigies", der Christusdarstellung mit dem Anspruch der „Ursprünglichkeit" hervor und vereinigt diese mit der ikonographischen Tradition des Leidenden Christus. Nach einzelnen Annahmen entsteht dieser neue Typus in der Kunst von Dirk Bouts (Abb. 27). Man kann sich da auf das Gemälde von Musée des Beaux Arts in Dijon berufen. Der „Salvator incoronatus" erscheint auch in den Diptychen, wo Maria als Fürbitterin vorkommt. Es soll erwähnt werden, dass bereits die Darstellungen des „vera icon" solche Formen hatten, die in Diptychen erschienen. Auch hier war Christus auf der heraldischen rechten bzw. Maria auf der heraldischen linken Seite. 5 Die niederländische Malerei bewahrt sogar neben der Leidensdarstellung die edle Schönheit des Antlitzes Christi. Der dornengekrönte, tränende Christus drückt eher seinen Kummer wegen der Menschheit als die Qualen durch die erlittenen physischen Schmerzen aus. Das Budapester Relief ist ein typisches Beispiel für diesen ikonographischen Typus, der in den Niederlanden entstand. Das proportional schöne Gesicht, das von dekorativen Haaren umgeben wird, ist idealisiert. Auf das Leiden weisen nur die Tränen und die zusammengezogenen Augenbrauen hin. Die ursprüngliche Vergoldung dieses hervorragenden italienischen Kunstwerks lässt sich heute nur noch in Spuren erkennen. Die dornengekrönte Christusdarstellung des Vir dolorum und Ecce Homo erschien in der italienischen Bildhauerkunst in erster Linie auf Halbfigurstatuen, oder Büsten und Reliefs. Wir weisen hier auf Werke des Luccaer Matteo Civitali und Nachfolger hin, welche auf die Kunst der italienischen, vor allem der toskanischcn Renaissance wirkten. 6 Auf diesen Werken sind im allgemeinen keine Tränen am Antlitz Christi zu sehen. Die Tränen erschienen vor allem durch den Einfluss der Gemälde auf den Reliefs. In der Bildhauerkunst entstand jener Relieftyp, der den dornengekrönten, tränenden Christus brustbildartig darstellt, durch die gemeinsame Wirkung der Gemälde des „Salvator incoronatus" und der Büstendarstellungen des dornengekrönten Christus. Die Wirkung der Büsten zeigt jenes Relief des Salvator incoronatus auf die am meisten charakteristische Weise, das die Verfasserin des Katalogs des Jacquemart- André-Museums in Paris als Reliefdarstellung aus Lucca definierte (Abb. 28)7 Hier wendet sich Christus stark nach der linken Seite des Reliefs, was die plastische Darstellung des büstenartigen Ausschnitts ermöglicht. Die klassische Schönheit des Gesichtstyps, die wogende und in krausen Locken endende Schnitzart der Haare und die Gestaltung der Glorie ist mit dem Budapester Relief verwandt. 5 Höhle, E.-M., Ein unbekanntes Christus Bild Rueland Frueaufs des Älteren, in Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, Wien-Köln-Graz 1983, 205-208. 6 Yriarte, Ch., Matteo Civitali, Paris 1886; Harms, M., Matteo Civitali. Bildhauer der Frührenaissance in Lucca, Münster 1995. ' Moureyre-Gavoty (Anm. 3), Kat.-nr. 145.