Csornay Boldizsár - Dobos Zsuzsa - Varga Ágota - Zakariás János szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 100. (Budapest, 2004)
SZMODISNÉ ESZLÁRY, ÉVA: Über „Salvator incoronatus" Reliefs aus dem toskanischen Kunstkreis
Das Museum der Bildenden Künste hat dieses hervorragende Werk aus dem Nachlass des Komponisten Pál Kadosa erworben. Die Arbeit ist der international anerkannten Teilsammlung von italienischen Quattrocentowerken der Alten Skulpturenabteilung würdig. Das Relief verbirgt zahlreiche interessante Probleme in Bezug sowohl auf seinen Schöpfer und Entstehungsort als auch auf seinen Darstellungsinhalt. Als das Museum der Bildenden Künste das Relief 1996 erwarb, wurden zahlreiche bewertende Gutachten darüber abgegeben. Wir wollen uns in erster Reihe auf die Feststellung von Zsuzsa Urbach berufen. Sie wies überzeugend daraufhin, dass das Relief vermutlich unter der Wirkung von Christusdarstellungen der niederländischen bemalten Diptychen entstand. An diesen wurden Christus und Maria dargestellt. An den niederländischen Diptychen stand der dornengekrönte Christus im Allgemeinen auf der heraldischen rechten Seite gegenüber der ihn anbetenden Maria. Zsuzsa Urbach berief sich auf Reliefs im Material der Berliner Skulpturensammlung Staatliche Museen, wo zusammen mit dem Budapester Relief verwandten Werk auch die zugehörige Mariadarstellung erhalten blieb. Die Forschung bezeichnete diese als Werke des Meisters der Marmormadonnen. 2 Beim Erwerb des Reliefs beriefen wir uns unsererseits auf zwei Marmorreliefs des Jacquemart-André-Museums in Paris als auf Werke, die in der Ikonographie des dornengekrönten, tränenden Christi und in zahlreichen Teillösungen mit dem Budapester Relief übereinstimmen (Abb. 28-29). 3 Die Verfasserin des Katalogs Jacquemart-André-Museums aus 1975 platzierte diese im Kunstkreis von Lucca und entzog sie entgegen dem Heim-Katalog aus 1972 4 der Bestimmung mit der Bezeichnung Meister der Marmormadonnen. Es ist ferner erwähnenswert, dass das Budapester Relief nach dessen Erwerbung als besonders wichtiger Kunstgegenstand präsentiert wurde. Aus diesem Anlass schrieb János Eisler darüber eine schöne, ausführliche Analyse. Da es sowohl um ein beachtenswertes Kunststück geht, dessen Auftauchen auch für die internationale Forschung interessant ist, wollen wir nachfolgend die damit verbundenen Probleme ausführlich behandeln. Inzwischen wurde auch die gesteinskundliche Untersuchung des Werks abgeschlossen. 2 Diese Kunstwerke werden von Zsuzsa Urbach (Ein flämischer ikonographischer Bildtypus im italienischen Quattrocento. Bemerkungen zur Studie von Éva Eszláry) in der gleichen Ausgabe von Bulletin publiziert, in der wir diese Studie veröffentlichen. 3 Moureyre-Gavoty, F. de la, Sculpture Italienne, Musée Jacquemart André, Paris 1975, Kat.-nr. 144, 145. 4 Sculptures of the 15 th and 16 th centuries, London, Heim Gallery 1972, Kat.-nr. 7.