Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 90-91.(Budapest, 1999)

HÁMORI, KATALIN: Bronzestatuetten des Mercurius von Tiziano Aspetti

Budapester Stücke neben den technischen Eigenarten auch ikonographisch die bezeich­nenden Züge des venezianischen Manierismus aufweisen. Ikonographisch knüpft sich der bildhauerische Schmuck beider Feuerböcke an den um 1600 beliebten Symbolen der Republik Venedig und an den Feuersymbolen an, die durch reiche Ornamentik umgeben sind. Der Aufbau der vierfach gegliederten Stücke ist fast völlig übereinstimmend. Sie sind auf eine Hauptsansicht angelegt, aber die Rückseiten sind ebenfalls sorgfältig ausgearbeitet. Ihre Plinthen sind am rechten und linken Rand sowie hinten rundbogig abgeschlossen. In Vorderansicht sind links und rechts jeweils auf einem Delfin aufstützend muskulöse kniende Atlanten angebracht, unter der Draperie auf Kopf und Schultern wenden sie sich mit dem Kopf nach der wappenartigen Löwenmaske zwischen ihnen. Der Löwe ist ein Symbol der Herrschaft und das Attribut des Evangelisten Markus, aber der Löwe von Markus war bis 1797 zugleich auch das Wappentier der Republik Venedig. 21 Auf der Rückseite, dem Feuer­platz zu, versinnbildlicht ein feuerspeiender Drache die satanische Kraft und das Feu­er. 22 Die kräftestrotzenden Figuren halten die Ecken des Aufbaus von dreieckigem Grundriß. An diesem, auf dem zweiten Niveau sind in halbrund abgeschlossenen Ni­schen an jeder Seite antikisierende Männer- und Frauenbüsten aufgestellt. Zwischen den Büsten ist an den Ecken je eine Groteske mit verflochtenen Beinen und ohne Kopf angebracht. Darüber läuft als dekoratives Abschlußmotiv eine an Ringen aufgehängte Früchtegirlande herum. Unten, an der Frontseite zeigt je ein Relief, in Anschluß an das Feuermotiv, Kindsköpfe, die aus vier Richtungen brennende Holzscheite blasen. Nach der beliebten Quelle der Künstler um 1600, der Iconologia von Cesare Ripa, versinn­bildlichen die Feuer blasenden Cherubsköpfe die himmlischen Winde, die das Feuer beleben. 23 Auf dem dritten Niveau der Kaminböcke halten je zwei unbekleidete Kinder­figuren auf Draperie sitzend einen ovalen Schild ohne Wappen. An den Köpfen fallen flammenartig zu Berge stehende Haarsträhnen auf. im erwähnten Werk Cesare Ripas wird das Feuer von einem nackten kleinen Jungen verkörpert, der von einem flammen­artig wehenden Schal und einer Feuerzunge ähnlichen Haarsträhne über der Stirn ge­kennzeichnet ist. 24 Nach der Haartracht zu schließen dürften die Wappenhalterfiguren ebenfalls als Personifizierungen des Feuers gemeint sein. Das vierte Niveau der Feuer­böcke wird das eine Mal mit der 56 cm hohen Merkurfigur, das andere Mal mit der 58 cm hohen Minervafigur bekrönt. Die Einstellung beider Figuren folgt den Regeln der manieristischen figura serpentinata. Beide lassen sich ikonographisch auf bekannte Typen aus der römischen Bildhauerei zurückführen. 25 Merkur trägt ähnlich der Bron­21 Biedermann, H., Szimbólumlexikon [Symbollexikon], München - Budapest 1996, 103, 294-295. 22 Biedermann, a. a. O. (Anm. 21) 331-333. 23 Die Iconologia von Cesare Ripa wurde zuerst 1593 in Rom herausgegeben, dann folgte 1602 die Ausgabe von Mailand und 1603 wieder eine in Rom. Vgl. Maser, E. A., Cesare Ripa. Baroque and Rococo Pictorial Imagery. The 1758-60 Hertel Edition of Ripa's „Iconologia" with 200 Engraved Illustrations, New York 1971, 9. zur Personifizierung des Feuers bei Maser-Ripa, a. a. ()., Nr. 10. 24 Maser-Ripa, a. a. O. (Anm. 23), Nr. 10. 25 Bober, P. P. - Rubinstein, R. O. - Woodford, S., Renaissance Artists and Antique Sculpture: a Handbook of Sources, London - Oxford - New York 1986, 57-58, Abb. 10 und 80-82, Abb. 42.

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