Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 88-89.(Budapest, 1998)
POSZLER, GYÖRGYI: Die Figuren eines Kärtner Flügelaltars in Budapester Sammlungen
spitzbogigem oberen Abschluß. An den Schrein schließen sich im allgemeinen innen mit Reliefs geschmückte, außen gemalte bewegliche Flügel sowie Standflügel, im Gesprenge herrschen nicht die architektonischen, sondern die vegetabilischen Elemente vor. Die Predellen sind gemalt, schmal und nur ausnahmsweise mehrgliedrig. Sehr häufig, besonders an größeren Altären, stehen auf Postamenten an der verlängerten Deckplatte der Predella Schreinwächter: 29 beim überwiegenden Teil der Altäre handelt es sich um Schutzheilige, die das Böse abwehren: um Georg den Drachentöter und den heiligen Florian, der bei der Feuersbrunst angerufen wurde. In seltenen Ausnahmefällen, wenn einer der beiden als Schreinfigur in Erscheinung tritt, wird er durch einen anderen Ritterheiligen, Achatius oder Eustachius vertreten. Da die als Stilparallelen angeführten Georgs- und Floriansfiguren aus Kärnten alle Schreinwächter sind, wäre es naheliegend, auch die beiden Figuren aus der Sammlung Kónyi für Schreinwächter eines Altars von kleineren Ausmaßen und bescheidenerem Anspruch halten. Mehrere Umstände sprechen aber unbedingt gegen diese Annahme. Die Schreinwächter an den beiden Seiten eines Altarschreins sind fast ausnahmslos - auch bei schwachen, provinziellen Arbeiten - genau spiegelbildlich angelegt. Bei den beiden Budapester Figuren ist zwar die Körperhaltung symmetrisch, aber ihre Bewegungen nicht. Würde man den heiligen Georg hypothetisch an der linken Seite des Schreins aufstellen, dann müßte Florian auf der rechten Seite den Bottich in der Rechten halten, um in Entsprechung für Georgs Waffe seine Lanze oder die Fahnenstange in seiner Linken zu halten, wie dies zum Beispiel an den bereits angeführten Pleßnitzer Figuren zu beobachten ist. Wäre hingegen Florian an der linken Seite aufgestellt gewesen, so müßte der heilige Georg umgekehrt, mit dem linken Ann zum Stoß gegen den Drachen ausholen. 30 Auch die Gestaltung der Rückseite der Figuren widerspricht ihrer etwaigen Anbringung als Schreinwächter. Die Georgsfigur ist auf der Rückseite nicht ausgehöhlt, nur in der Mitte etwas abgeflacht. Die rechte Seite des Heiligen ist in einem breiten Streifen sorgfältig bearbeitet und auch gefaßt, weil bei seiner heftigen Bewegung nach links der Blick teilweise auch nach hinten freigegeben wird. Beim Florian von erheblich starrerer Haltung ist aber die Rückseite - wenn auch nur in einem schmalen Streifen - ausgehöhlt. Eine derartige Bearbeitung würde die freie Aufstellung der Figur zur Seite eines Altars nicht erlauben. Die frontal eingestellte Königsfigur mit ihrer breit und stark ausgehöhlten Rückseite war auf jeden Fall für die Aufstellung im Schrein bestimmt (Abb. 37). Ein weiteres sehr wichtiges Argument gegen die Aufstellung als Schreinwächter ist der Umstand, daß wir es nicht mit zwei, sondern mit drei Figuren zu tun haben, die zweifelsohne zusammengehören, aus derselben Sammlung stammen und möglicherweise die Arbeit desselben Meisters sind, und es gibt kein Gesichtspunkt - weder Ab29 Demus, a. a. O. (vgl. Anm. 16), 185-186. Bezüglich der Wandlung und Entwicklung der verschiedenen Typen des Flügelaltars siehe Schindler, H. Der Schnitzaltar, Meisterwerke und Meister in Süddeutschland, Österreich und Südtirol, Regensburg 1978, 11-13. 30 Wenn auch die Bewegung und die Haltung der Schreinwächter nicht immer tadellos symmetrish ist, halten sie ihre Lanze oder Fahne immer spiegelbildlich, schräg an der äußeren Seite.