Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 84. (Budapest, 1996)
CIFKA, BRIGITTA: Gemälde von Friedrich von Amerling im Museum der Bildenden Künste
deckt. Das Vorbild für diese Figur war die Von Theseus verlassene Ariadne, ein in Wien beliebter Kupferstich nach Angelica Kauffmann (Abb. 36). 6 Auch Gestik und Mimik der anderen Figuren basieren auf Vorbildern. Bei der behandelten Gruppe des Moses-Bildes ist noch hervorzuheben, daß sich die ausgezeichneten Darstellung der Stoffe vom Lendenschurz aus Pelz bis zu den feinen Schleiern voll entfalten. Neben diesen Vorzügen finden auch die Mängel des Gemäldes Moses und die Eherne Schlange im späteren Verlauf des Lebenswerkes ihre Bestätigung. Es war kein Zufall, daß sich der Künstler vor vielfigurigen historischen Kompositionen hütete, desgleichen auch vor Landschaftsdarstellungen. In unserem Bild wirkt die Natur der Umgebung kulissenhaft und die 36 Georg Sigmund Facms und Johann GottHeb Figuren, die hinter dem als Mittelgrund Pacius nach Angelica Kauffmann : gemeinten jenseitigen Hang des Hügels Ariadne von Theseus verlassen. Schwarzdruck auftauchen, muten ungelenk an. Alles in allem ist die Integrierung der einzelnen Kompositionselemente wenig geglückt. Die auch anatomisch inkorrekte Darstellung der Gruppe links läßt sich vielleicht noch mit dem drängenden Ausführungstermin erklären. Das sitzende Kniebild in Vorderansicht der Gräfin Berta Nákó, geborene Gyertyánffy (1820-1882) wurde 1969 vom Museum erworben. 7 Die 1855 datierte Leinwand zeigt die Dame in voller Blüte in einem tief dekolletierten schwarzen Samtkleid mit pelzverbrämtem rotem Umhang um die linke Schulter. Die Rechte ruht in ihrem Schoß, mit der Linken liebkost sie den Windhund, der sich an sie schmiegt. Hinter dem Armstuhl stehen auf dem mit einem Orientteppich bedeckten Tischchen Schreibutensilien und Bücher. Den Hintergrund bildet ein bauschig drapierter violett-roter Vorhang. 1993 wurde das Gemälde gründlich untersucht und - wegen der offensichtlichen Übermalungen - völlig restauriert. Durch die sorgfältige und gewissenhafte Wiederherstellung - eine Arbeit von Ildikó Jeszeniczky - kamen verborgene künstlerische Werte wieder zum Vorschein (Abb. 37-38). Die vorangegangenen Röntgenaufnahmen haben bereits gezeigt, daß die ursprüngliche Oberfläche - abgerieben oder aufgesprungen - noch vorhanden war (Abb. 39). Mit der Übermalung wollte man also die Schadstellen verschwinden lassen. Eine Hand, die keineswegs als Restauratorenhand bezeichnet werden kann, hat die Farbe des Kleides gestärkt, die feine weiße Spitze um das Dekollete sowie die Schultern grob überpinselt, die Masse des Haars vergrößert, 6 Le Blanc, C, Manuel de l'Amateur d'Estampes 2, Paris 1856-1882, 212, Nr. 30. 7 Probszt, a. a. O., Werkkatalog-Nummer 883; Öl, Leinwand, 128x107 cm; signiert links oben „Fr. Amerling 1855"; Inv.Nr. 572.B; BullMusHongrBA 36 (1971) 18.