Tátrai Vilmos szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 84. (Budapest, 1996)
ROGGE, SABINE: Griechische Jäger im Museum der Bildenden Künste. Der attische Jagdsarkophag Budapest-Split
Sarkophag Lepri-Gallo und den wenig später entstandenen Löwenjagd-Sarkophag in Barcelona neben einen Hippolytos-Sarkophag in Pisa. 61 Auf dem Venator-Sarkophag aus den Jahren um 220/230 n. Chr. wird zwar eine entmythologisierte Jagddarstellung dargeboten, die motivische Abhängigkeit von solchen Hippolytos-Sarkophagen wie demjenigen in Pisa ist aber sofort ersichtlich. In einem weiteren Schritt ist dann bei dem gegen 230 n. Chr. zu datierenden Exemplar in Barcelona das mythische Jagdtierder Eber - gegen einen Löwen ausgetauscht worden; mit diesem Sarkophag beginnt die Reihe der uns bekannten Löwenjagd-Sarkophage. Im Bereich der attischen Jagd-Sarkophage käme dem noch zu den Meleager-Sarkophagen gerechneten Exemplar in Split 62 eine ähnliche Bedeutung zu wie dem VenatorSarkophag in bezug auf die stadtrömischen Exemplare. In beiden Fällen ist dem Betrachter sofort klar, auf welcher mythologischen Szene der Relieffries basiert. Es ist aber auch jeweils ein deutlicher Schritt in Richtung Entmythologisierung festzustellen. Beim stadtrömischen Exemplar äußert sich dieser Vorgang darin, daß die Hauptfigur, eigentlich Hippolytos, mit einem Porträtkopf versehen worden ist; 63 für das Exemplar in Split ist durch das Fehlen Atalantes und auch im Verzicht auf den zu Boden gegangenen Jäger eine gewisse Verwässerung des mythologischen Gehalts der Szene zu konstatieren. Am stadtrömischen Sarkophag in Barcelona ist dann der Wechsel vom Eber, dem Jagdtier des Mythos, zum Löwen hin zu beobachten; damit hat eine weitere Entfernung vom ursprünglichen Mythos stattgefunden. Und nicht viel anders ist beim Sarkophag in Gotha das Einfügen des Hirsches zu bewerten; die mythologischen Sarkophage kennen allein den Eber als Jagdtier, 64 und indem hier ein anderes Jagdtier erscheint, ist auch die Entfernung vom ursprünglichen mythologischen Gehalt angezeigt. Schon anhand der bisher angeführten stadtrömischen Jagd-Sarkophage zeigt sich, daß zwischen dieser zahlenmäßig sehr großen Gruppe und den wenigen attischen Exemplaren kaum Verbindendes festzustellen ist. Das bevorzugte Jagdtier der stadtrömischen Gruppe - der Löwe - ist auf unseren attischen Exemplaren offenbar nicht vertreten. Die auf den stadtrömischen Löwenjagd-Sarkophagen obligatorische Virtus 6 " 1 sucht man hier vergebens; Personifikationen bzw. symbolische Gestalten sind der attischen Sarkophagkunst fremd. Logischerweise begegnet auch der für so viele stadtrömische Löwenjagd-Sarkophage typische, zweiszenige Aufbau auf den attischen Exemplaren nicht; denn schließlich ist die kontinuierende Darstellungsweise hier gene61 Venator-Sk. Lepri-Gallo in Rom, Via délia Croce 78A: Andreae (1980) Nr. 164 Taf. 1.1. - JagdSk.in Barcelona, Museo Arqueológico 870: ebenda Nr. 8 Taf. 1.2. - Hippolytos-Sk. in Pisa, Camposanto: K-S (1982) 150-151 Taf. 170. 62 s. o. Anm. 48. 63 Zum damit verbundenen tiefgreifenden Wandel in der Aussage vgl. die überzeugende Analyse von Andreae (1980) 18-21. 64 Ein anderes Jagdtier erscheint, wie auf einem Hippolytos-Sk. in Arles, höchstens einmal auf der Schs.; s. Rogge (1995) Nr. 50 Taf. 180.1. 65 Zur Herleitung der Virtus-Gestalt auf den stadtrömischen Löwenjagd-Sk. und zu ihrer Bedeutung vgl. Andreae (1980) 25-27; ders., a.O. (Anm. 60) 9-14.