Garas Klára szerk.: A Szépművészeti Múzeum közleményei 60-61. (Budapest, 1983)

GARAS, KLÁRA: Sammlungsgeschichtliche Beiträge zu Raffael. Raffael-Werke in Budapest

oft besondere Umstände die die Besitzer nötigten zur Sicherung einer politischen Verbindung oder schwerwiegender Vorteile Werke Raffaels oder auch anderer grossen Meister, wegzugeben. 15 Dies war zweifellos auch der Fall mit Papst Albanis Geschenk an die Kaiserin Elisabeth. Es ist bisher nicht gelungen fest­zustellen, wann und woher Klemens XI. das kleine Meisterwerk Raffaels er­worben hatte, wir wissen auch nichts über die ursprüngliche Bestimmung. Fol­gerungen die Vorgeschichte betreffend ergeben sich jedoch aufgrund gewisser Eigenheiten des Bildes: wir möchten hier lediglich auf einige erwägenswerte Möglichkeiten hindeuten. Laut Zeugnis der einstigen Inschrift hatte die Kaiserin Elisabeth das Bild in einem mit Edelsteinen geschmückten Kästchen vom Papste erhalten. Der intakte Erhaltungszustand der kleinen Tafel spricht dafür, dass sie von äusser­lichen Einwirkungen, von Schmutz, Rauch u a. wohl beschützt, wahrscheinlich für lange Zeit in einem festen Behälter, dem Kästchen aufbewahrt wurde. Es scheint wie eine Reliquie behandelt worden sein. 16 In einer Hauskapelle oder in einem Schlafgemach verwahrt, blieb das kleine Madonnenbild vor der Öffent­lichkeit lange verborgen. Das ist auch wohl der Grund, warum es — wie übri­gens auch die meisten kleinen Raffaelschen Madonnen — in den Quellen und den frühen Guiden, Beschreibungen u. a. nicht erwähnt wird, und vor dem 19. Jahrhundert auch nie gestochen wurde. Es waren auch keine Kopien oder Varianten davon vor etwa 1820 bekannt. 17 Houbraken, A.: De Groote Schouburgh. (1718) Ed. Wien, 1880. S. 279. „Was Raf­faels Bilder betrifft ... so sind jene in Ölfarbe auf Holz oder Leinwand gemalten in so festen Händen, dass sie wohl nicht loszubekommen sind, denn die Besitzer wissen sie so hoch zu schätzen, dass mehrere seiner Bilder mit einem eisernen Geländer ab­gesondert sind ... sie werden wie Heiligthümer geschätzt und bewahrt". S. auch Österreich, M.: Beschreibung der königl. Bildergallerie und des Kabinetts in Sans Souci. Potsdam, 1770. S. 162: ,,On paye au poids de l'or ses dessins, et ses tableaux n'ont point de prix. Il n'y a guère que les Princes et les Rois qui puissent se flatter d'orner leur galeries ou leurs cabinets des tableaux de ce divin artiste". 15 Francesco Maria, Herzog von Urbino findet 1602 eine Madonna von Raffael, die er als Geschenk der Königin von Spanien bei ihrer Niederkunft überschicken möchte (s. Gronau: a. a. O. S. 265). Die Höfe von Ferrara und Mantua warben um die Gunst Kaiser Rudolfs II. mit Werken Raffaels und Tizians (s. L u z i o, A.: La galleria dei Gonzaga venduta all'Inghilferra nel 1627—28. Milano, 1913. 10 Die besonders wertvollen Tafelbilder waren nach Aussage der alten Inventare meist mit einem Vorhang — „cortina di tafetto" geschützt oder „sotto cristallo" auf­bewahrt. Die kleinen Tafeln hatten einen Behälter, wie etwa ein Madonnenbild in der Guardaroba Kardinal Luigi d'Estes in 1583 „con il guarnimento d'oro tirato in una cassetta guarnita similmente con alcune perle" (s. C a m p o r i, G.: Raccolta di cata­loghi ed inventari inediti. Modena, 1870. S. 46). Ähnlich die kleine Kreuzabnahme Gerard Davids bei den Medici in Florenz „in una cassetta di velluto rosso . . ." Palazzo Vecchio. Committenza e collezionismo medicei. Firenze, 1980. S. 259. In Ferrara waren mehrere Raffael Madonnen im Besitz der Lucrezia d'Esté in der kleinen Kapelle unterbracht, eine davqn „in mezzo al reliquario" (s. Pergola: in Arte Antica e Moderna, 1960 III S. 343). 17 Ein Exemplar bei dem Maler Karl Friedrich Wendelstadt, Inspektor des Stä­delschen Kunstinstituts in Frankfurt, war 1828 in einem Umrissstich als „nach Ra­phael" veröffentlicht worden. P a s s a v a n t (a. a. O. II. S. 92) hielt es zuerst für die bessere Variante, korrigierte aber dann seine Ansicht (a.a.O. III. S. 105); „Das un­bestreitbare Original ... befindet sich jetzt in der Galerie des Fürsten Esterházy von Galantha in Wien". Zuletzt in der Sammlung G. Luckner in Dresden erwähnt, ist das Wendelstadt-Exemplar derzeit nicht auffindbar. Eine schwache Kopie wurde von Bibliotheksdirektor B. Gatti vor 1870 der Ambrosiana in Mailand verehrt. Sie ist derzeit nicht auffandbar (gütige Auskunft von Prof. U. Cogliati Arano für die ich hier meinen herzlichen Dank aussprechen möchte). Crowe, J. A. — Cavalca-

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