Csánky Dénes szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 10. 1940 (Budapest, 1941)

Johann Héjjas: Ein Gemälde Domenico Tintorettos in der städtischen Bibliothek zu Kecskemét

EIN GEMÄLDE DOMENICO TINTORETTOS IN DER STÄDTISCHEN BIBLIOTHEK ZU KECSKEMÉT Unter der Benennung „italienischer Mei­ster des 16. Jahrhunderts" wurde im Jahre 1938 im grossen Saal der städtischen Biblio­thek zu Kecskemét eine die Taufe Christi darstellende Komposition grossen Formats (217-5X117 cm) zur Schau gestellt. (Abb. 1.) Uber die Herkunft des auf Leinwand ge­malten Ölbildes konnten wir nur soviel er­fahren, dass es sich um das, im Jahre 1911 der Stadt Kecskemét vermachte Geschenk des Herrn Marcel Nemes handelt. Bis vor kurzem war das Werk nicht zugänglich, und dieser Umstand mag erklären, dass es in der Literatur keine Beachtung fand. Allein vor zwei Jahren, als das Bild nun wieder zum Vorschein gekommen war, tauchte sogleich die — wie wir sehen werden, nicht ganz un­begründete — Hypothese einer Urheber­schaft Tintorettos auf. Der Meister unseres Bildes hatte die Taufe Christi in der traditionellen Weise darge­stellt: Jesus ist gerade in die Knie gesunken, um von hl. Johannes dem Täufer das Sakra­ment der Taufe zu empfangen. Christi Kör­per drückt die doppelte Funktion des Bückens und Kniens aus: indem er sich leicht vorn­überbeugt, setzt er die Knie auf den aus dem Wasser emporragenden Fels. Die Linie der rechten Rückenpartie veranschaulicht das Moment des Vornüberbeugens, während die unsichere Haltung der vorspringenden, vom Beschauer ferner gelegenen, hochgezogenen linken Schulter nicht nur den Eindruck des seitlichen Neigens vermittelt, sondern auch ein Gefühl des Wartens ahnen lässt. Dort kam eine rein physische Funktion zum Aus­druck, hier gesellten sich auch seelische Fak­toren hinzu. Diesem sorgfältig komponierten Körper ist das sanfte Haupt Jesu leicht auf­gesetzt, und dem physischen Gebeugtsein des Körpers bietet der schöne Ausdruck jener vom Antlitz des Heilands strahlenden seeli­schen Grösse ein Gegengewicht. Die mächtige Figur des hl. Johannes des Täufers liess unser Meister auf dem Prinzip des Kontrasposts beruhen. Die einander ent­gegengesetzte Wendung des Ober- und Unter­körpers um zwei in verschiedene Richtungen verlaufende Achsen ist für den Beschauer von ergreifender Wirkung. Der Schwerpunkt des Körpers ruht auf dem rechten Bein, das linke ist gebogen, als wäre der Heilige im Begriffe vom Fels herabzutreten. Seine Gleichgewicht haltende Rolle ist wohl ange­deutet, aber nur soweit es der unruhige Linienrhythmus des Körpers gestattet. Der kühn abgewendete Kopf bildet den würdigen Abschluss des auf dem eindrucksvollen Grundsatz des Kontraposts aufgebauten Kör­pers. Die künstlerische Absicht war, das Bild durch die Komposition der Figuren wirken zu lassen. Raum und Landschaft sind in dem Gemälde durch einige Details angedeutet, um dem Beschauer einen Eindruck über den Ort der Handlung zu vermitteln. Unmittelbar nach der Schaustellung wurde die Komposition von Anton Hekler 1 gewür­digt. Im Zusammenhang mit der Urheber­schaft bemerkt Hekler, dass „das Gemälde so mächtigen Formats sich harmonisch in die Reihe jener Bilder einfügt, in denen Tinto­retto die Taufe Christi dargestellt hatte" und fügt hinzu, es gebe „neben den eigenhändigen Werken auch solche, die nur der Werkstatt des Meisters zuzuschreiben sind". Wie wir sehen, formuliert Hekler seine über den Meister des vorliegenden Werkes gebildete Meinung recht vorsichtig, indem er den Gedanken an eine Urheberschaft Tinto­rettos wohl aufkommen lässt, doch die Mög­lichkeit einer Werkstattarbeit auch nicht von der Hand weist. Es ist nicht zu leugnen, dass die stilistischen Elemente unseres Bildes ge­wisse Zusammenhänge mit den gleichen Ge­genstand behandelnden Frühwerken Tinto­rettos aufweisen. Auch bedarf es keines Be­1 Anton Hekler (Georg Magyar) Tintoretto in Kecskemét (Ung. Titel: Tintoretto Kecske­méten), Napkelet, Budapest, 1939. Nr. 6, S. 532.

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