Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 9. 1937-1939 (Budapest, 1940)

Erwin v. Ybl: Das Grabmal der Gräfin Stephan Károlyi

Bei der Gestaltung der wagrecht liegen­den toten Gräfin, die mit einem Tuch zu­gedecht ist, wetteifert die technische Fertig­keit Ferenczys mit den Meistern des Spät­barocks. Ferenczy hat Ende Dezember 1819 oder im Januar 1820 während seines neapo­litanischen Aufenthaltes die volkstümlichen Marmorstatuen in der Sansavero-Kapelle bewundert. Eine von diesen, die Pudizia Antonio Corradinis aus dem Jahre 1700 stellt eine nackte, mit einem Schleier bedeckte Frau dar, während eine andere, spätere (1753) Statue den toten, auf dem Rücken liegenden Christus in der gleichen Weise vor Augen führt. Es handelt sich beim letz­teren Denkmal um ein Werk Giuseppe San­martinos, das Stephan Ferenczy, der für technische Griffe sehr empfänglich war, die Idee gab, die tote Gestalt der Gräfin Károlyi­Dillon ebenfalls nit einer durchscheinenden Decke zu modellieren. Unser Meister nannte keine so entwickelte künstlerische Kultur sein eigen, dass er imstande gewesen wäre, in diesen neapolitanischen Bravourleistungen ein Sinken des bildhauerischen Niveaus zu erkennen. Wenn aber bei den oben erwähn­ten Statuen, besonders bei der stehenden Pudizia-Gestalt mit schwellenden Formen die Koketterie des Rokoko, bei Christus hin­gegen eine gewisse Gesuchtheit offensicht­lich ist, wirkt die Anwendung des Schleiers bei Ferenczy logisch, er verleiht dem Werke eine klassische Kühle. Am Totentuch der Gräfin, der sich zu einem Schleier verdünnt hat, lassen sich die edlen Züge des jungen Gesichtes, die offene Hand, die Flechten der Haare, die Beschläge des Empire-Bettes, ja sogar die Kleiderfalten am Arme erkennen. Die Leere unter dem Kinn ist geradeso fühl­bar, wie die knochigen oder fleischigen Teile des schlanken Körpers. Um die horizontalen Linien des Totenbettes aufzulösen, hängt der Schleier in der Mitte halbkreisförmig hinab, sowie dies bei der Sarkophag-Decke des Marsuppini-Grabmales von Desiderio in Flo­renz ersichtlich ist. Die beiden Enden falten sich natürlich und winden sich um die Bett­füsse. Obgleich die Falten am Körper und dem Totenbett zum Grossteil parallel lau­fen, wirken sie doch nicht so trocken, lang­weilig und unfertig wie bei den späteren Werken Ferenczys, so z. B. beim Szánthó­Grabmal, sondern entsprechen dem Stoff, sind natürlich, fein und klassizistisch ruhig. Wenn wir diese Linien vom Körper ab­strahieren, so wirken sie fast wie die For­men der aufgehängten Tücher bei den Em­piregebäuden. Die Faltenführung der Toga der Treue, die die Flächen und Büge weich und natür­lich verteilt, ist gerade entgegengesetzt. Nur die Wirkung jener Falte, die vom Rücken ausgeht und sich beim Schemmel rechtwink­lig bricht, scheint gesucht zu sein. Weniger geglückt sind auch die Umschläge der kurz­ärmligen Toga, deren parallele Linien, ideen­lose Mulden schon langweilig sind und den späteren Niedergang von Ferenczys Meissel vorausahnen lassen. Man erkennt bereits an der Gestalt, die die Wehmut darstellt, dass Ferenczy den menschlichen Körper nur äusserlich kannte und mit dessen Anatomie und Knochenaufbau nicht ganz im reinen war. Es ist ihm auch nicht gelungen, die Krümmung des Rückens zu lösen, wogegen das von Canova entliehene edle Gesicht, die Hände und Füsse ein gewissenhaftes Stu­dium bezeugen. Das Grabmal wurde oben mit einer Tim­panonartigen Giebelverzierung abgeschlossen (Abb. 1.), die durch einen Eier-Fries und klei­nen Palmetten belebt war (174 cm lang, in der Mitte 59 cm, an den Seiten 22-5 cm breit). In der Mitte befinden sich die eiförmigen von zwei schematischen Löwen gehaltenen Wappen der Familie Károlyi und Dillon, darüber die elfzackige Krone, Fähnchen und Lorbeer­blätter. Von diesen letzteren geht eine dünne stilisierte Girlande aus, die sich in der Mitte über zwei Ringe windet und an den beiden Enden kurz niederhängt. Ferenczy hat auch rechts und links vom grossen Relief auf zwei Marmorteilen (106 cm hoch, 22 cm breit und 19 cm tief) brennende Fackeln dar­gestellt, die mit Blumenkränzen und Bänd­chen umwunden und schief nach unten ge­dreht sind. (Abb. 5.) Sie sind das Symbol des Todes und der Trauer. Oben erblicken wir wieder eine an zwei Ringe befestigte dünne Girlande. Diese, sowie die gebundenen Bänd­chen sind keine Verzierungselemente des Empirestils, sondern gehören noch dem Zopfstil an. Über diese Marmorteile, 13 an den 13 Obgleich die architektonische Lösung des Szánthó-Grabmals und die etwas schie­fen Schnitte des Giebelschmuckes am Ká­rolyi-Denkmal darauf schliessen lassen, dass sich an das Ende des Giebelschmuckes kein weiteres Bauglied anknüpft, so widerspricht dem die Tatsache, dass sich in der Gruft weitere, zweifellos zum Grabdenkmal gehö­rige Marmorteile befinden. Schon die ge­ringe 174 cm zählende Länge des Giebel­schmuckes weist darauf hin, dass er das 180-7 cm lange Relief nicht allein krönen konnte.

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