Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 9. 1937-1939 (Budapest, 1940)
Erwin v. Ybl: Das Grabmal der Gräfin Stephan Károlyi
Vertrag; nichtsdestoweniger behandelten sie mich mit dem Feingefühl, den schöndenkende Seelen besitzen". Schliesslich schreibt er in den Briefen 0 vom 6. und 10. September 1845, als er bereits entschlossen war, sien nach Rimaszombat zurückzuziehen, an seinen jüngeren Bruder: „Es ist mir auch sehr unangenehm, dass ich vorerst die Denkmäler für Virág, Kisfaludy, Kölcsey, Halász und Graf Károlyi aufstellen muss". Das wird wohl heissen, dass die Einzelstücke des Marmordenkmals für Károlyi noch in der Budaer Werkstätte waren, denn solange diese nicht aufgestellt sind, „schreibt er weiter" kann ich meine Seile, Ketten, das Haus nicht verkaufen und meine Leute nicht entlassen; auch kann ich meine Pferde und Wagen nicht veräussern. Wahrscheinlich schloss Meiler 7 aus diesen Zeilen, dass die Marmorteile im Jahre 1846 nach Fót geschafft, dort jedoch nicht aufgestellt wurden. Im gleichen Jahre begann Graf Stephan Károlyi die zweitürmige Kirche nach den Plänen Nicolaus Ybls in Fót 8 bauen zu lassen. Diese Arbeit konnte jedoch erst im Jahre 1857 beendigt werden, weil sie durch den Freiheitskrieg unterbrochen wurde. Das Grabmal erhielt aber auch in der grosszügig angelegten Gruft der neuen Kirche keinen Platz. Möglicherweise meinte man, dass sein Stil mit der Romantik des Gebäudes nicht übereinstimme. Dieser Annahme widerspricht jedoch der Umstand, dass die Gruft mit den Statuten Pietro Teneranis, des berühmten italienischen Nachfolgers Casanovas, geschmückt ist. Allerdings sind diese schon romantisch und qualitätsvoller als die Werke Ferenczys. Wahrscheinlich haben die Mängel des Grabmales dem Grafen, Nikolaus Ybl und dessen Künstlergenossen nicht gefallen, oder aber, und dies scheint wahrscheinlicher zu sein, unterliess der Graf die Aufstellung deshalb, weil damals auch schon seine zweite Frau, Gräfin Franziska Esterházy, gestorben war. Es ist auch nicht unmöglich, dass das bestellte Monument deshalb solange in der Werkstätte Ferenczys blieb, weil sich Graf Stephan Károlyi im Jahre 1830 zum zweitenmal verehelichte. Das Grabmal wurde erst während seiner zweiten Witwerschaft im Jahre 1846 nach Fót gebracht, wo es jedoch auch nachher nicht aufgestellt wurde. Michael Zsilinszky 9 irrt sich alsi in der Bio(i Wallentinyi: Op. cit. S. 365. 7 Simon Melier: Op. cit. S. 194. 8 Erwin von Ybl. Die Kirche in Fót. Ungarische Kunst, VI. Jahrgang S. 128. 9 Jahresblätter der Kisfaludy Gesellschaft. Neuer Jahrgang 1879, XIV. Band, S. 128. graphie Stephan Ferenczys, wenn er behauptet, dass „das Grabmal aus Marmor von Ruszkabánya in der Kirche in Fót zu sehen ist". Die einzelnen Teile dieses Monuments lagen durch viele Jahre vergessen und verpackt in einer Scheune der Fóter Károlyischen Herrschaft und die einzelnen Marmorbestandteile kamen erst im Frühjahr 1936 ans Tageslicht. Deshalb schreibt Meiler, 10 dass das Grabmal während des Baues der neuen Kirche verloren gegangen ist. Der gegenwärtige Besitzer des Károlyischen Fideikomisses, Graf Stephan Károlyi, berief den Schöpfer Stephan Ferenczy-Denkmals in Rimaszombat, den Bildhauer Ladislaus Vaszary, zu sich, mit dem er auch anderweitig in Verbindung stand und der in den Marmorstücken als erster den charakteristischen Stil Ferenczys erkannte. Die Marmorteile liegen mit anderen architektonischen Stücken noch heute in der Gruft der Fóter Kirche. Hier wurden sie durch den Dechantpfarrer, Domherrn Karl Thury, dem Verfasser dieser Zeilen gezeigt, welcher bezüglich der Aufstellung des Grabmales um Ratschläge bat. Das Denkmal gehört zweifellos zu den besten Werken Ferenczys. Es war in jener Zeit entstanden, als sich im Gedächtnis des Künstlers die italienischen Meisterwerke nicht verwischt hatten, als er mit seiner Begeisterung und bildhauerischen Fertigkeit noch das Niveau halten konnte und der Mangel eines vertieften Wissens seine Kunst noch nicht auf den Grad des Provinzialismus hinabgedrückt hat. Es ist das erste Exemplar eines seiner Grabmaltypen, des eingemauerten, oben durch einen Giebel abgeschlossenen, antiken Stele-artigen Reliefs. Es ist keine selbständige Lösung — übrigens ist ja der Klassizismus kein Freund selbständiger Schöpfungen und weist eher auf die edlen, nachahmenswerten Beispiele hin — und auch Ferenczys mittelmässige Begabung liebte es nicht, neue Wege zu wandeln. 11 Im Allgemeinen folgte er treulich den klassizistischen Werken seiner Meister, Ca10 Simon Meiler: Op. cit. S- 194. 11 So wurde das Budapester Kulcsár-Denkmal in der Innerstädtischen Pfarrkirche und das darnach modellierte Benedek VirágDenkmal nach dem Muster der Giovanni Falier-Stele des Canova (Pradazzi, bei Possagno), das Brunswick-Grabmal in Alsókorompa nach der Gruft des Papstes Klemens XIII. in Rom und schliesslich das Szánthó-Denkmal in Kecskemét nach dem Marmorrelief des Museums in Possagno angefertigt.