Petrovics Elek szerk.: Az Országos Magyar Szépművészeti Múzeum Évkönyvei 9. 1937-1939 (Budapest, 1940)
Erwin v. Ybl: Das Portrait der Königin Anna
gramm W sehen. Das Holzmaterial der Tafel ist überraschend gut erhalten, nur zwei senkrechte Sprünge, die sich beim Werfen des Holzes gebildet haben, unterbrechen das Bild. (S. Neuerwerbungen, T. VII.) Unser Gemälde stammt unbedingt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Übereinstimmung des Stils mit Seiseneggers authentischen Bildern und die Aufzeichnungen des Meisters weisen darauf hin, dass wir es mit jenem Gemälde der ungarischen Königin Anna zu tun haben, das er in Prag im Jahre 1543 gemalt hat. Es ist weniger frisch als die Bilder Ferdinands von Tirol (N. 1473) und einer Tochter Ferdinands I. (N. 1823) im Wiener Kunsthistorischen Museum, die Seisenegger vor dem bei ihm üblichen Vorhang mit breit und flächig gemalten Prachtgewändern und Schmuck, aber scharf modellierten Gesichtern dargestellt hat. Der grüne Vorhang als Hintergrund war damals bei einzelnen Malern stark in Mode. Wir sehen ihn z. B. bei Altdorf er und Jean Clouet Seiseneggers vorerwähnten beiden Bilder sind später als das unsrige entstanden. Tizians Einfluss zeigt sich besonders bei dem Bilde Ferdinands am allergiücklichsten. Es ist zweifellos Seiseneggers Meisterwerk. Unser Bild unterscheidet sich auch vom Portrait des Linzer Bürgers Neyhart, das sich im Budapester Museum der Bildenden Künste befindet, und angeblich Seiseneggers letztes bekanntes Werk sein soll. Bei diesem Gemälde kommt anstelle der entschiedenen Auslegung der Formen eine koloristische Leichtigkeit zur Geltung. Aber dieses Bild ist nur eine spätere und nicht kennzeichnende Ausnahme im Lebenswerk unseres Meisters. Seisenegger war der Hofmaler Ferdinand I. und der Königin Anna; seine stilistischen Eigentümlichkeiten sowie die äusseren Umstände beweisen die Richtigkeit unserer Behauptung. ERWIN V. YBI.