Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
FRANK STEINMANN: Steindorff in Nubien
dank dem Entgegenkommen des Generaldirektors P. Lacau, der Auftrag erteilt, die Ausgrabungen in Aniba fortzusetzen und zu Ende zu bringen. Diese Aufgabe ist im Winter 1930/31 gelöst worden. Dabei wurde der in den früheren Kampagnen unerledigt gebliebene mittlere Teil des nubischen Friedhofs N ... mit etwa 500 Gräbern freigelegt; ferner konnte eine nubische Siedlung der gleichen Zeit sorgfältig untersucht, sowie die Stadt und ihre Befestigungen, soweit dies bei ihrem zerwühlten Zustande möglich war, ausgegraben und ihre allmähliche Entwicklung festgestellt werden..." 13 - Die Fundstücke von 1930/31 konnte Steindorff nicht mit nach Leipzig nehmen... Eingangs war von Junkers Autobiographie die Rede, in der er u. a. schreibt, er habe Steindorff die Wiederaufnahme der Grabungstätigkeit im Rahmen des Survey von 1930/31 vermittelt. Auch davon ist im Steindorff'schen Text, wie wir eben gesehen haben, nichts zu finden. Wie dem auch sei: Es ist keine so wichtige Frage. Entscheidender ist da schon die Diskrepanz in den Angaben zum Wechsel der Grabungskonzessionen bei Steindorff und Junker. Der scheinbare Widerspruch löst sich jedoch auf, wenn man sich die Situation auf der Karte (Abb. 6) vergegenwärtigt: Junker schreibt in seiner Autobiographie, daß Griffith ihm einen Teil seiner Konzession überließ, und zwar „den ganzen Nordteil, von Aniba bis Toschke". 14 Weiter schreibt Junker, daß Steindorff ihn gebeten habe, ihm „den Südteil unserer Konzession mit Aniba zu überlassen". 15 Das ist jedoch unmöglich: Wenn Junker von Griffith das Gebiet von Aniba bis Toschke erhielt, 16 dann konnte der Südteil des Gebietes Aniba überhaupt nicht enthalten, denn Aniba liegt am nördlichen Ende des Gebietes. Gehen wir davon aus, daß Junker sich hier verschrieben hat und es hätte vom Nordteil des Gebietes die Rede sein sollen - im Südteil mit Ermenne und Toschke war ja eh nichts mehr zu holen, dort hatte Junker 1911/12 bereits gegraben -, dann hieße das, daß Steindorff ein Gebiet von Aniba im Norden bis maximal Toschke im Süden erhalten hätte. Doch auf diesem Gebiet hat er überhaupt nicht gegraben. Die interessanten Plätze Anibas, die Steindorff bei seiner ersten Nubien-Expedition 1900 gesehen hatte, lagen nördlich von 13 Steindorff, a.a.O. (Anm. 4). S. 20. 14 Junker, a.a.O. (Anm. 2), S. 34. 15 Junker, a.a.O. (Anm. 2). S. 34. 16 Was ist hier übrigens mit Ermenne, das noch weiter südlich liegt? In der Einleitung zu seiner Ermenne-Publikation schreibt Junker, daß Griffith auf sein Ersuchen hin Ermenne und Toschke aus der Oxforder Konzession ausscheiden ließ - von Aniba ist hier gar keine Rede: H. Junker, Ermenne, Akademie der Wissenschaften in Wien, Phil.-hist. Kl., Denkschriften, 67. Bd., 1. Abh., Wien-Leipzig 1925, S. 3.