Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MELINDA AL-RAWINÉ KŐVÁRI: Die Verkündigungsszene in der koptischen und byzantinischen Kleinkunst - unter besonderer Berücksichtigung der Anwendung der Szene auf Textilien, Ampullen, Ringen und Armbändern

Auf dem berühmten Mosaik im Chor der Kirche San Vitale in Ravenna trägt die Kaiserin Theodora ein kostbares Purpurgewand, dessen Saumborte mit der Szene der Anbetung der Magier vor Maria und Jesus geschmückt ist. 44 Theodora, die einen Kelch in den Händen hält und diesen Gott darbietet, entspricht in ihrer Geste den Magiern, die Jesus Geschenke darbringen. Unter diesem Blickwinkel ist die Funktion dieses Gewandes zu verstehen - hier tref­fen sich liturgischer und persönlicher Gebrauch. Die meisten mit biblischen Szenen geschmückte Tuniken wurden auch für Kinder gefertigt; ein Umstand, der für eine besondere apotropäische Funktion sprechen könnte. Die Wiederholung ein- und desselben Motivs auf einem Gewand war üblich, 45 wobei aber auch die doppelte Wiedergabe lediglich einiger Szenen, wie z. B. die Adoration der Magier und die Taufe, belegt ist. 4 '' Eine charakteristische Gruppe bilden Textilfragmente mit einem Dekor bestehend aus rotgrundigen, miteinander verflochtenen Medaillonfeldern, die wohl ursprünglich das gesamte Gewand überzogen. Entsprechende Medail­lons mit der Szene der Verkündigung an Maria und der Geburt Christi finden sich im Museo Sacro. 47 Die Kleider waren mit biblischen Szenen dekoriert, um den Träger/die Trägerin (gemäß der oben zitierten Ansicht von Asterios von Amaseia) als religiöse Person auszuzeichnen. Hier ergibt sich eine Kombination mehrerer Funktionen in der persönlichen Anwendung: Schutzfunktion, Heilungskraft sowie Ausdruck der christlichen Gesinnung des Trägers/der Trägerin. Die Verkündigungsszene auf koptischen Textilien kommt ganz selten vor. Meines derzeitigen Wissens nach wären folgende Belege zu nennen: ein Orbi cuius, der für eine Kindtunika gefertigt wurde, 48 ein weiterer Orbiculus (Seidenstickerei mit der Verkündigungs- und Geburtsszene), 49 ein Zier­44 Z. B. A. Grabar, Die Kunst im Zeitalter Justinians, München 1967, Abb. 72. Eine ausführliche und aktuelle Publikation zum Thema "Purpurgewand": G. Stcigerwald, Purpurgewänder biblischer und kirchlicher Personen als Bedeu­tungsträger in der frühchristlichen Kunst. Bonn 1999. 15 Alexios Apokaukos's Gewand ist mit Medaillons geschmückt. Paris, Bibliothèque Nationale, MS. gr. 2144, fol. llr. (Maguire, a. a. O. (Anm. 42), Abb. 9; Byzance, No. 361, S. 455-458.) 44 Chicago, Field Museum of Natural History, Inv. No. 173758 47 W. F. Volbach, / tessuti del Museo Sacro Vaticano. Bibliotheca Apostolica Vaticana, Vatican 1942, T 104, Taf. XXIX, XXXI. Im Internet findet sich eine Farbabbildung: www.christusrex.org/www 1/vaticano/Sb-Announce.jpg 4 * E. Dauterman-Maguire, Weavings from Roman, Byzantine and Islamic Egypt. The Dance and the Rich Life, Illinois 1999, C 26, S. 168. 49 Kendrick, a.a.O. (Anm. 39), Taf. XVIII.Nr. 777, S. 57.

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