Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)

MAYA MÜLLER: Schönheitsideale in der Ägyptischen Kunst

sondern auch ganz allgemein auf seine Rolle als Befruchter und Erneuerer des Landes und der Welt. Im Pyramidentempel Sahures finden wir die in Pyr. 282 angesprochene Westgöttin innerhalb einer Prozession von weiblichen und männlichen Frucht­barkeitsgottheiten auf dem Block Berlin 21784 wieder, 18 erkennbar am West­zeichen auf ihrem Haupt. Sie trägt eine ungeteilte, feinsträhnige Lang­haarperücke, die in geometrisch rechteckiger Form über den Rücken hinunter fällt. Die Füsse treten in weiter Schrittstellung auseinander und das Kleid ist zwischen den Beinen so zurückgearbeitet, dass die Konturlinien der Beine vollständig und klar sichtbar sind wie bei einem ganz durchsichtigen Stoff. Die Gestalt der Göttin zeigt die gleiche mädchenhafte Schlankheit wie bei der Nechbet der obigen Säugeszene. Im Gegensatz dazu finden wir auf dem Block Kairo RT 6.12.24.9' 1 ' eine höchst seltene Darstellung, nämlich eine fettleibige Göttin. Rumpf und Beine sind viel breiter als bei den schlanken Göttinnen und der Bauch ist leicht gewölbt, was zweifellos als Andeutung der Schwanger­schaft zu verstehen ist; auch die Brust ist grösser und andeutungsweise hän­gend. Diese Gestalt verkörpert offensichtlich den Typus der üppigen, nähren­den Mutter. Auf beiden Blöcken wechseln die Göttinnen mit Nilgöttern ab, deren Gestalt auffallend ähnlich ist wie diejenige der üppigen Göttin. Sie sind nackt bis auf einen Gürtel. Bauch und Brüste sind viel ausgeprägter hängend als bei der Frau. Mit grosser Kunstfertigkeit und Sorgfalt ist die Muskulatur der Beine gearbeit­et, und zwar, da sie nackt sind, bis zum Gürtel hinauf, und ebenso die Oberanne. Das typisch männliche Merkmal der "schönen Beine" kombiniert sich hier mit dem typisch weiblichen Merkmal der Körperfülle der nährenden Mutter. Ausser­dem kennen schon die Pyramidentexte die Gleichung des männlichen Samens mit dem fruchtbringenden Überschwemmungswasser des Nils. 20 Die Figuren der Nilgötter kombinieren also männlichen und weiblichen Versorgungsfluss. Ich möchte annehmen, dass diese Figuren als attraktiv galten. In einem Liebeslied des pHarris 500 aus dem Neuen Reich spricht das Mädchen zum Jüngling: "Gehst Du fort, weil dich hungert? Nimm Dir meine Brüste! Ihr Inhalt flutet Dir über" (mit dem Zeichen der Überschwemmung geschrieben) 21 eine Stelle, die 18 Do. Arnold, a.a.O. (Anm. 13). Abb. 74 (untere Reihe, ganz links). " R. Schulz-M. Seidel (Hrg.), Ägypten. Die Welt der Pharaonen, Köln 1997, Abb. 51 auf S. 70. " Pyr. 507-510. :i S. Schott, Altägyptische Lieheslieder, Zürich 1950, S. 46.

Next

/
Oldalképek
Tartalom