Hedvig Győry: Mélanges offerts a Edith Varga „Le lotus qui sort de terre” (Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts Supplément 1. Budapest, 2001)
ROLF GUNDLACH: Neferchaut - Chef der Wüstenpolizei unter Thutmosis III.
"Jubel geben dem Amun-Re, die Erde küssen vor dem Herrn der Götter seitens. ..". Diese Art der Hymnen an Amun-Re ist seit Hatschepsut I./Thutmosis III. in thebanischen Gräbern belegt. 24 Gegenüber diesem Beispiel (und entsprechenden weiteren Belegen) ist die Verehrungshandlung der Budapester Stele jedoch mit einer königlichen Opferhandlung verknüpft. Die Belebung des Kultbildes des Amun-Re durch das Blumenopfer spielt m.E. auf die königlichen Kulthandlungen im Tempel von Karnak an, die ja letztlich auch dem aufgehenden Sonnengott gilt. In diese Verrichtung "klinkt" sich der Steleninhaber mit seiner Rede ein, wie die Analyse der Beziehungen zwischen Bildfeld und Textfeld gezeigt hat. Eine weitere für unseren Zusammenhang wichtige Parallele stellt die Stele British Museum 1515 dar. 25 Auch dort bringt der König (Thutmosis IV.) dem Amun-Re (der von Ahmes-Nofretere begleitet wird) ein Blumenopfer dar. Der Beamte im "Textfeld" darunter ist ebenfalls in der dvW-Haltung abgebildet; der "Jubel" und das "Küssen der Erde" jedoch, die Amun gelten, sollen den göttlichen Segen für Thutmosis IV. bewirken. Diese Stele, deren Herkunft unbekannt ist, wird mit dem Inhaber des Deir el-Medineh-Grabes TT 8 in Verbindung gebracht und soll sich ursprünglich in diesem Grab befunden haben. 26 Zum möglichen ursprünglichen Aufstellungsort der Stele. Beide oben angeführten Parallelen entstammen dem Grabbereich. Daher muß wohl angenommen werden, daß die Budapester Stele ursprünglich in dem ansonsten nicht bekannten Grab des Steleninhabers aufgestellt war. Am wahrscheinlichsten ist es, daß sie im Vorhof dieses Grab angebracht war, was sich mit der dementsprechenden Existenz von Stelen in anderen Privatgräbern deckt. 27 Interpretation der Aussagen der Stele. Die Aussagen der Stele, d.h. das Anliegen des Privatmannes um Fixierung seines direkten Kontaktes mit dem Sonnengott Amun-Re, gehören in den Belegkreis der frühen auf Amun zielenden "Persönlichen Frömmigkeit", die 2J s. J. Assmann, Sonnenhymnen in thebanischen Gräbern (Theben I), Mainz 1983, S. XIII (dort wird in Anm. 17 das Beispiel aus dem Grab des Paheqamun als typisch angegeben). 71 Bririth Museum Hierogyphic Texts VIII, London 1939, Taf. XLV. 36 J.Vandier d'Abbadic, La chapelle de KM, MIFAO 73,1, Kairo 1939, S. 15-16. 27 Vgl. z.B. M. Tosi und A. Roccati, Stele e altre Epigrafi di Deir el Medina, Torino 1971, Plan auf S. 28-29 und Abb. auf S. 30.