Pál János Ervin: A HAGYOMÁNY FELÉ (Kiállítási katalógusok - Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2009)

ANTAiOS UND HIRTENSTAB Über die „Schnitzereien" von Ervin Páljános Die erste bedeutende selbständige Ausstellung von Ervin Páljános fand in Szentendre, in der Alten Künstlerkolonie-Galerie (Régi Művésztelepi Galéria) im Jahr 1992 statt. Nach einer längeren Pause, im Jahr 1997 hatte er die nächste selbständige Ausstellung in Vác, im Ausstellungsraum der Griechischen Kirche, wo dem Publikum und dem Fach ein kohärentes Material, die Antaios-Statuen vorgestellt wurden. Dies enthüllt schon, dass wir hier keinen Künstler haben, der mit der Fruchtbarkeit eines Picassos gesegnet ist. Wenn ich das Wesentliche in der Tätigkeit von Páljános mit der Bündigkeit eines Lexikons ausdrücken will, muss ich sagen, dass er einerseits der par excellence Tradition der Bildhauertechnik folgt, andererseits versucht er die Traditionen der Formschaffung, das Handwerks mit den moderneren, ihn interessierenden persönlichen Lösungen des Ausdrucks in Einklang zu bringen. Es handelt sich also nicht um eine Programmkunst, sondern um eine Attitüde, wo Handwerk und Selbstausdruck miteinander abgestimmt werden. Daraus folgt, dass ich mich sicher nicht irre, wenn ich behaupte, dass diese dritte die bedeutendste Ausstellung von Ervin Páljános sei. Und wenn ich noch hinzufüge, dass er im Jahr 1982 die damals noch Hauptschule für Bildende Künste genannte Kunstschule unter der Leitung von József Somogyi und József Borsos absolviert hat, dann erübrigt sich jede Erklärung, vielmehr erhalten die Wörter „Attitüde und dritte" eine Bedeutung. Das Thema wird weiter nuanciert, wenn man sich die Frage stellt: wie kommt man sich vor als Bildhauer in einer Stadt reich an Traditionen der Landschaftsmalerei und der Avantgarde? Und eine weitere Frage: wenn eine reiche Tradition schon gegeben ist, wie in diesem Fall, lohnt es sich diese nur abzuweisen oder in ihr nur zu versinken - oder gibt es eventuell auch einen dritten Weg? Da Páljános mit seinen Formen seit seiner Antaios-Ausstellung im Jahr 1997 ununterbrochen den damals entdeckten Weg begeht, soll dies auch unser Ausgangpunkt sein. Wer ist Antaios? Der unruhige Sohn von Gaia lebte in Libyen, und solange er mit seinen Füssen die Erde (Gaia, die Mutter Erde) berühren konnte, war er unbesiegbar. Deshalb forderte er - aus Hybris - alle vorbeiziehen­den Reisenden heraus und besiegte sie. Herakles erkannte, dass Gaia ihrem Sohn half, hob Antaios weg von der Erde in die Luft und erwürgte ihn. Dies ist kurz die Geschichte. Sie handelt sich von uns ebenso wie von der klassischen und modernen Tradition der Kunst. Wichtiger als die Geschichte ist die Tatsache, dass das Thema des Antaios - wie auch das Thema des sich zum Kampf vorbereitenden David oder des sich zum Baum verwandelnden Daphnes - keine par excellence Bildhaueraufgabe ist, da in jedem der genannten Fälle die Änderung, die Bewegung, die Bezwingung der Schwerkraft mit festem Material und mit statischen Formen ausgedrückt werden müssen. Seit Michelangelo und Bernini ist dies vielleicht nur den im Zauber der Dynamik lebenden Futuristen einigermaßen gelungen. Páljános unternahm bei der Entfaltung seines gewählten Themas die Lösung einer den Grundgesetzen der Bildhauerei wider­sprechenden Situation. Sein Unternehmen ist eindeutig erfolgreich. Ich sehe seinen Erfolg in der Lösung der nachstehenden drei­vier Aufgaben: I. „Umschreibung" der Narrative (Geschichte) in die Sprache der Plastik auf die Art und Weise, dass sie dadurch nicht zur Illustration degradiert wird. II. Zusammenkomponieren von blockmäßigen Formen und dekorativen Ebenen, d.h. maximale Ausnützung der Intensität der weiten und nahen Ansicht III. Umwertung der Ansicht über Stabilität und Blockhaftigkeit der Statue durch Aufhängen. Diese sind natürlich nur dann interessant, wenn alle aufs Mal gelöst werden. Unserer Vorstellung nach ist eine Statue eine block­hafte, statische Figur mit ungegliederten Umrissen. Die hängenden und pendelnden Statuen erinnern vielmehr - neben ihrem Umfang im Raum auch die Ebene bewegend - an die Ranken der Schmiedeeisentore und Ladenschilde des Barocks, oder ich kann auch sagen, an gigantische Hirtenstäbe, als an herkömmliche, klassische Blöcke. Stossen wir uns von der Idee der Blockhaftigkeit ab und es lässt sich feststellen, dass die Formbildung der zeitgenössischen Bild­hauerei von der traditionellen volkstümlichen Motivwelt ebenso wenig weit entfernt ist, wie ihr die Thematik der Malerei von Szentendre auch nahe liegt. Das Eisengitter erinnert uns an die Werke von Lajos Vajda. Das Motiv des Filzmantels, der Lebensbaum erinnert uns an die Werke von Dezső Korniss und Endre Bálint, und beim Anblick der Holzspiele und der Honigkuchenformen denken wir an Mihály Schéner. Es ist kein Zufall, dass wir im geistigen Sinne und was die Form anbelangt Analogie und Verwandtschaft mit der örtlichen Kunst entdecken. Die Verbindung fällt noch mehr auf, wenn wir Páljános's Werke mit der Auffassung der örtlichen, zeitgenössischen Bildhauer vergleichen. Wenn wir die Motive weiterdenken, lohnt es sich die aus den Landschaftsbildern von Szentendre „herauswachsende" selbständi­ge Ausdrucksform heraufzubeschwören: die Tradition der Darstellung der Vegetation. Denken wir an die Werke von Tibor Boromissza, Imre Ámos, Júlia Vajda, Jenő Paizs Göbel, vergessen wir aber die Werke von Pál Miháltz, Béla Fekete Nagy, Piroska Szántó und vor allem Lajos Vajda auch nicht. Eigenartige Vorläufer stellt die gleichzeitig „kosmische und höllische" Kohlezeichnung-Serie von Lajos Vajda dar. Hauptsächlich Vajda war es unter den Letztgenannten, der mit seiner Darstellung der im biologischen Sinne „primitiv" genannten vegetarischen Existenz fähig war, hochwertige Lebensfragen zum Ausdruck zu bringen. Das ist also die Geschichte, das ist die Tradition. Der zeitgenössische Künstler soll aber die Frage „wie weiter" beantworten. Und was der Unterschied ist - das inter­essiert uns, die Zeitgenossen. 5

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