Ásztai Csaba: ÚTON (Kiállítási katalógusok - Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2008)

ZU DEN BILDERN VON CSABA ÁSZTAI Die empfindsam ausgearbeitete Malerei von Csaba Ásztai ist - obwohl sie kein allein stehendes Phänomen ist (wir finden Ähn­lichkeiten in der Betrachtungsweise bei den Gemälden von Éva Krajcsovics, und vielleicht verbindet sie eine entfernte Verwandtschaft mit einigen Werken von Dezső Váli) - auf jeden Fall ein Beispiel für eine auf markante Weise eigengesetzliche Welt auf der Palette der zeitgenössischen ungarischen Malkunst, und daher steht ihr innerhalb dieser ein selbständiger Platz zu. Wenn wir darauf bestehen, seine Bilder einer kunstgeschichtlichen Kategorie zuzuordnen, dann lassen sie sich noch am ehesten zur Kategorie der Monochrom-Malerei zählen. Der Kunsthistoriker Lóránd Hegyi schrieb über diese Richtung wie folgt: „Sie ist eine der post-painterly-abstraction („Abstraktion nach dem Malerischen") Richtungen, die die inneren Tönungswerte von einzelnen homogenen, unpersönlich aufgetragenen, Pinselspuren nicht aufweisenden Farboberflächen zur Geltung bringt, und hebt auf diese Weise die mit dem Material und mit der Oberfläche verbundene physische Wirkung der Farbe auf und ruft durch eine Art malerische Entmaterialisierung eine Raumvorstellung hervor und schwört die Unendlichkeit herauf. Die Monochrom-Malerei basiert auf der zentralen Rolle der Farbe und drückt die strukturellen Elemente der Bildkonstruktion in den Hintergrund." (in: Hegyi Lóránd: Wege aus dem Avantgard /Utak az avantgárdból. Jelenkor Irodalmi és Művészeti Kiadó, Pécs. oJ.) Csaba Ásztai arbeitet mit in mehreren Schichten aufgetragener Ölfarbe, mit Lasierungstechnik, malt seine Bilder auf Leinwand, und oft dient die rohe Leinwand ohne Grundierung als Rahmen. Er hat eine Vorliebe für die quadratische Form, deren perfek­te Symmetrie an die Mandalas erinnert. Mandala ist ein Wort auf Sanskrit; ursprünglich ist es ein Symbol - es bedeutet „Kreis" -, auf die Vollständigkeit verweisend ist es ein Sinnbild des Ganzen, bzw. des Weltalls, aber die Mandalas sind nicht immer kre­isförmig, jedoch sind sie immer auf ein Zentrum ausgerichtet, was auf die Möglichkeit des spirituellen Eindingens ins sakrale Zentrum deutet. C.G. Jung behauptete, dass der Grossteil der Bauwerke und der Gemälde aufgrund ihres Grundrisses als Mandala zu betrachten seien, sie seien die Abstrakten Darstellung der sich auf das Weltall reimenden Persönlichkeit und sind gleichzeitig Objekte, die ihr in der Weltbetrachtung, spiritueller Vertiefung und Meditation helfen und die gegebenenfalls als Mittel der Einweihung dienen können. Diese Feststellung scheint mir für die Gemälden von Csaba Ásztai besonders treffend zu sein, da diese Werke durch eine geheimnisvolle innere Ausstrahlung eine sozusagen magische Anziehungskraft auf den aufmerksamen Zuschauer ausüben, der in ihnen nicht nur eine besonders harmonisierende Farbenkombination sieht. Woraus setzt sich diese Wirkung zusammen? Die Antwort ist eigentlich einfach: aus dem suggestiven Zusammenwirken von nie übertrieben konkretisierten - nur angedeuteten - Formen und von unerwarteten Farbharmonien. Csaba Ásztai ist ein Meister der Andeutungen. Die kaum wahrnehmbaren, sich zart abzeichnende Formen laden zu einer Assoziation von Halbtraumerlebnissen, von Wolken, oder vom Schauspiel einer nie existierten Unterwasserwelt ein. Und wenn die Gemäldevisionen sich mal identifizieren lassen - wie z.B. das Bild mit dem Titel „Stuhl meines Vaters" - auch dann erweck­en sie einen Eindruck, wie die bei den Seancen der ehemaligen Geisterbeschwörer erschienenen Gestalten: man konnte nie sich­er sein, ob diese leibhaft sind, oder nur Produkte der Vorstellungskraft des Einfühlvermögens sind. Ehrlich gesagt, ich war verblüfft, als der Künstler mir erzählte, dass die unglaublich reiche und mehrsinnige Formordnung sein­er Bilder manchmal von welchen einfachen, fast banalen Motiven inspiriert wurde: mal ein Muschel vom Balaton, eine men­schliche Gestalt oder sei es Ungarns Landkarte. Zuletzt sollte ich über das wichtigste, aber mit Worten kaum definierbare Moment - über Csaba Ásztais Farben, über die sanften Übergänge und mysteriösen Spiele zwischen hauchfeinen Tönungen - einige Worte sprechen, aber das ist eine beinah un­mögliche Aufgabe. Wir wissen genau, wenn sich das rationelle Ich des Malers in der Komposition zeigt, dann sind die Farben die Träger von Empfindungen und Gefühlen. Im Fall von Csaba Ásztai können wir feststellen, dass er trotz aller scheinbaren Zurückhaltung und stillem Verhalten „auf vielen Saiten spielt", was seine Farbenvielfalt anbelangt, und er vermag solche unerwartete Wirkungen hervorzurufen, wie dies nur die angeborenen Koloristen können. Wir wissen, dass eine Farbe eine neben ihr aufge­tragene neutrale Farbennuance mit ihrer eigenen Komplementärfarbe optisch scheinbar überzieht. Deshalb kann es geschehen, dass das kalte Grün auf großer Oberfläche das umliegende Grau als Lila-Rosa erscheinen lässt und zudem die in ihre Mitte gemalte zartrosa Nuance quasi in eine Lichtquelle verzaubert. Gerade diese inneren, fein leuchtenden Farben sind es, die nicht nur die Sinnesfreude des Auge befriedigen, sondern auch ermöglichen - wie schon erwähnt -, dass nicht nur farbenfreudige Bilder entstehen, sondern diese auch zu anziehenden Meditationsobjekte werden, die uns zum Begehen eines inneren Weges anspornen. György Szemadám 5

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