Bereczki Ibolya - Sári Zsolt: Ház és Ember, A Szabadtéri Néprajzi Múzeum évkönyve 28-29. (Szentendre, Szabadtéri Néprajzi Múzeum, 2017)

POZSONY FERENC: A ház és lakáskultúra változása a háromszéki Zabolán

Ferenc Pozsony WANDLUNG DER HAUS- UND WOHNKULTUR IM DORF ZABOLA IN DER REGION HÁROMSZÉK Die verschiedenen Schichten der Gesellschaft (Adlige, Leibeigene, Fußsoldaten, Bauern, Handwerker, Händler und Intellektuelle) lebten auch in Zabola jeweils in sol­chen Haustypen, die ihr wirtschaftliches Potential, Beruf und soziale Stellung in adäquater Weise erkennen ließen, d.h. die Wohnhäuser haben auch hier den gut bestimm­ten gesellschaftlichen Status und Prestige repräsentiert und haben nicht nur das wirtschaftliche Niveau oder Lebensmodell der Einwohner, sondern auch ihren Ge­schmack und ihr ästhetisches Empfinden nuanciert wi­derspiegelt. Die Höfe von adligen Familien (die Basa, die Mikes) wurden normalerweise mit Stein- und Ziegeltoren vers­chönert. Die Höfe von den lófő (primi pili) genannten Freien, die die Lebensform der Kleinadligen als Modell erachteten, wurden von größeren geschnitzten, über­deckten Holztoren dekoriert. Die Familien von Fußsol­daten ließen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ihre Tore aus Holz zimmern, in der Struktur von diesen wurden nur noch die Säulen des Kleintors verbunden und über­deckt. Die von den Forschern als typisch Székely Haustyp gehaltenen Häuser mit Ecklaube waren im 18. Jahrhun­dert auch in diesem Dorf in der Gegend Orbaiszék verb­reitet. Bei traditionsbewussten Familien sind einige eventuell mit Modifizierungen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in Gebrauch geblieben und einige charak­teristische Einrichtungsgegenstände (z.B. Ofenkacheln, Truhen) sind als Andenken bis zum Ende des 20. Jahr­hunderts weitergelebt. Die sozial aufsteigende Schicht der Bauern hat Mitte des 19. Jahrhunderts auch hier große Häuser mit Mittel­laube gebaut und diese meistens mit Möbeln aus der Stadt im Sezessionsstil eingerichtet. Die lokalen Varian­ten dieses Haustyps hat die gewaltsame Modernisierung als Begleiterscheinung der Kollektivierung im Jahr 1962 zum Verschwinden gebracht. In seiner geplanten regionalen Einheit Siebenbürgen wird das Ungarische Freilichtmuseum Szentendre die Volksbaukunst und Wohnkultur der Bauernfamilien in der Region Háromszék mit diesem Haustyp mit langer Laube aus Zabola zusammen mit seinen Wirtschafts­bauten repräsentieren. Die Wohnhäuser mit kunstvoll geschnitzten und mit ausgesägten Mustern verzierten Bretterlauben bestimmen bis heute das originelle Bild der Höfe der Székely, der Rumänen und der Zigeuner in Zabola. Würfelhäuser wurden in Zabola erst in den Jahr­zehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, und zwar nach der Kollektivierung im Jahr 1962, als Land, des Großviehs und Arbeitsgeräte gewaltsam enteignet wur­den. Beim Bau von Würfelhäusern wurden meistens städtische Muster in Ungarn und in Siebenbürgen imiti­ert. Die Alpenvillen sind nach dem Systemwechsel im Jahr 1989 auf den Grundstücken der im Wirtschaftsle­ben erfolgreichen Székely, Zigeuner und rumänischen Unternehmern und der lokal lebenden Intellektuellen erschienen. Ihre Einrichtungen und Haushaltsausrüstun­gen werden hauptsächlich von den Reklamen bestimmt, die sie im Fernsehen, im Internet oder in Filmen sehen, und folgen daher einheitlichen, globalen Lebens- und Wohnungsmustern. Die aufgezählten Haustypen existierten in Zabola jedoch nicht in purer Form, da in jeder Periode zahlrei­che Durchgangsformen oder individuelle Merkmale anzutreffen waren, je nach Wirtschaftspotential, Lebens­strategie, Lebensweise und ästhetischem Empfinden der Einwohner, sowie abhängend von der Lage und Größe des Grundstücks. Auch in ihrer Einrichtung können wir eine Art Heterogenität beobachten. In den Häusern mit Langlauben, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, treffen wir heutzutage verschiedene Möbel in Sezessionsstil, individuelle Küchen- und Schlafzimmer­möbel an, die lokale Schreiner Mitte des 20. Jahrhun­derts hergestellt hatten, in weiteren Garnituren, die im Sozialismus in Serien produziert wurden, aber auch älte­re und neuere Haushaltsgeräte aus Holz, Eisen oder Kunststoff, Waschecken mit Zuber, oder sogar von der Kammer abgetrennte rustikale oder postmoderne Badezimmer mit Jacuzzi. 316

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